Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/94

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besitzt von ihm zwei mit seinem Namen bezeichnete Arbeiten. Die eine ist die ovale Schüssel auf Tafel 25 mit vertieft gewölbtem ovalen Mittelfeld, das in Emailmalerei das Urteil Salomonis enthält und von zehn solchen Feldern umrahmt wird, die mit Granaten übersät sind. Diese bilden, als Tafelsteine geschliffen, die Ränder der Felder, während diese selbst mit aufgelegten Blumenranken besetzt sind, die Granaten zu tragen haben, teils in Tafelschliff, teils in facettierten Körnern. Auch bilden solche Granaten die Fruchtknoten von emaillierten Blumen. Aus der übereinstimmenden Technik schließe ich, daß dieser Freiberger Meister auch den Orpheuspokal ausgeführt hat. Er muß ein vielgeschätzter Emailleur und Juwelier gewesen sein, der den Geschmack seiner Zeit getroffen hat, der allerdings nicht mehr der unsrige ist, der ihn auch zu Wohlstand brachte, so daß er 1664 der Nikolaikirche zu Freiberg eine von ihm verfertigte Abendmahlskanne stiften konnte.

An jener Schale ist die Emailmalerei des Mittelfeldes das künstlerisch Wertvollste, was wir von Samuel Klemms Arbeit kennen. Besonders die Komposition des Bildes ist mit ihrer nach Raffaelischem Schema zur Mitte völlig symmetrischen Anordnung in sorgsam abgewogener Weise durchgeführt und die Ansicht des genau aus der Mitte gesehenen Salomonischen Tempels ist perspektivisch auf das geschickteste durchgeführt, entsprechend auch die Verteilung der Gruppen. Der Steinbesatz der zehn Felder der Umrahmung mit den eingeflochtenen emaillierten Blumen wirkt allzu überladen, doch ist er, wenn man einmal das Prinzip solcher Verzierung gelten lassen will, mit guter Überlegung durchgeführt.

Bei Kurfürst Johann Georg II. muß Klemm in Ansehen gestanden haben. Dessen Spazierstock von 1666 mit goldenem Knopf auf Tafel 12 rechts hat er sicher mit seiner Kunstfertigkeit ausgeschmückt, besonders aber als seine Hauptarbeit 1675–77 dessen Bergmannsausrüstung mit Säbel, Barte, Messer, Tasche, Lampe, Mützenschmuck und anderen Besatzstücken, die alle mit Inschriften und Bildplatten des Berg- und Hüttenwesens und mit Farbsteinen in Kasten besetzt sind (VIII, 317–24). Eine umfängliche und kulturgeschichtlich wertvolle Arbeit, die auch von seinem eindringenden Interesse für die heimatlichen Erzeugnisse und deren Gewinnung Zeugnis ablegt. Wie an jenem Spazierstock an der Zwinge in schwarz emaillierter Inschrift gesagt ist, das Gold dazu sei in der Elster gewonnen worden, so dürfen wir auch dessen sicher sein, daß zu jener Schale die Granaten nicht etwa aus Böhmen bezogen, sondern aus