Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/95

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

dem sächsischen Fundort bei Tharandt gewonnen waren. Während jener Stock noch durch Brillantreifen kostbar gemacht ist, beschränkt sich an dem Knopf die Emaillierung auf die Schrift des Namens und aller Titel des Kurfürsten und auf sein gemaltes Wappen. Dagegen hat an dem goldenen kugelrunden Knopf und der Zarge des Stockes links auf Tafel 12 der Graveur und Emailleur ausschließlich die Ausstattung bestritten und beide waren dabei bemüht, ihr Bestes zu geben. Die Technik ist noch die gleiche, wie sie schon im letzten Viertel des 16. Jahrh. in Übung war. Doch wie beide Teile in ovalen Rollwerkrahmen mit Tierbildern besetzt und um sie herum noch mit Blättern und Blüten und kleineren Tieren in durchsichtigem Email überreich bedeckt sind, das ist zwar erstaunlich geschickt gemacht, hat aber geringeres Stilgefühl. Es ist eine Arbeit der ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts.

Ein Prunken mit dem Material in der Art Klemms entsprach einer Liebhaberei der Zeit, die Masse der im einzelnen Stück geringwertigen Steine mag zu einer solchen Häufung verleitet haben. Das Grüne Gewölbe besitzt eine Anzahl von Schmuckkästchen, von denen zwei von dem Augsburger J. H. Mannlich (1660–1718) sind, die erkennen lassen, daß an dieser Hauptstätte der Produktion gerade auch dieser Geschmack, der mit den Farbsteinen gern buntemaillierten Reliefbesatz verbindet, sich Geltung verschafft hatte. (V, 595 u. 597).

Der gleiche Geschmack herrscht auch an der Fassung der großen Henkelkanne , die ersichtlich in größter Ausnutzung des sechskantigen Bergkristalls geschnitten wurde, Tafel 22. Das eingeschnittene mit Palmetten gemischte Bandwerk ist ziemlich wild und selbständig entwickelt ohne Anlehnung an den Zeitstil. Dem hat dagegen der Juwelier reichlich Rechnung getragen, indem er Fuß und Deckel sowie die Ansatzstellen des Henkels mit Farbsteinen und einheimischen Perlen übersät hat. Größere Steine und Kameen bilden dazu die Mittelstücke. Darin nähert sich die Ausschmückung des Stücks der des Orpheuspokals. Die hier noch hinzugefügten Perlen könnten in Sachsen in der Elster gefunden sein. Es wäre also wohl möglich, daß Samuel Klemm die Kanne gearbeitet hat, die erst Kurfürst Johann Georg III. (1680–91) nach einem zeitgenössischen Bericht von 1683 erworben haben soll. Man denkt bei einer derartigen Arbeit auch an Prager Herkunft, besonders da eine ähnlich bunt überladene große Kristallkanne in Wien XIX, VII, 50 des Kaisers Ferdinand III. als in Prag gearbeitet und erworben angegeben wird. Die Gegenüberstellung der beiden Kristallgefäße auf Tafel 22 läßt auch hier wieder den Wandel des Stils