Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/96

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und Geschmacks gut erkennen: den Übergang des Sinnes für ruhige abgeklärte Form und für deren sparsame, doch bis in alles Einzelne sorgfältige Verzierung in diskreter Farbenverteilung zu dem Gefallen an derberen, ja barocken Gestaltungen, zu massiger Verzierung von bunter Farbenwirkung, jedesmal der Ausdruck andersgearteter Kultur.


ZIERSCHALEN AUS FARBIGEN HALBEDELSTEINEN

In Deutschland hatte schon im Mittelalter die Herstellung von wertvolleren Gebrauchs- und Ziergegenständen neben dem vorherrschenden Silber noch andere Naturprodukte hinzugezogen, wie Straußeneier, Kokosnüsse, Tierhörner, Perlmuttermuscheln, farbige Steine der Quarzgruppe und besonders Bergkristalle. Diese Stoffe blieben auch noch im 17. Jahrhundert neben dem Silber und vereint mit ihm bevorzugt, sie erfahren sogar bei der wachsenden Zierfreude zugleich mit jenen noch eine eingehendere Bearbeitung durch Hinzufügung von Verzierungen, ohne daß damit zugleich eine Bereicherung der farbigen Erscheinung erstrebt wurde. Es kommt aber im Mittelalter nicht ebenso häufig vor, daß neben dem bevorzugten Bergkristall auch die anderen Steinsorten der Quarzgruppe vom gleichen 7. Härtegrad zu Geräten verarbeitet werden. Das Grüne Gewölbe besitzt nur wenige solcher Stücke vorwiegend kirchlichen Gebrauchs, so ein gotisches Gefäß aus Serpentinstein (V. 404) und ein solches mit einer aus Amethyst-Achat hergestellten Schale (IV. 343). Als ersichtlich weltliches Gerät kommt hierzu ein kleiner gotischer Pokal aus hellbraunem Jaspis (V. 488).

Erst seit der Renaissance werden jene farbigen Steinsorten wieder mehr und mehr verarbeitet nach dem Vorgehen Italiens. Die Anregung dazu kam zunächst durch die zahlreichen Funde antiker Gemmen und Kameen, die nicht nur ihres Kunstwertes halber gesammelt, sondern vielfach schon seit dem Mittelalter besonders zum Schmuck kirchlicher Geräte und Gefäße verwendet wurden. Die wachsende Nachfrage nach solchen Stücken führte zur Wiederaufnahme der alten Techniken des Steinschliffs und Steinschnitts und zunächst zu deren Anwendung zum Schneiden von Bildnisköpfen in den verschiedenen Chalzedonarten wie Karneol, Heliotrop, Chrysopras, Onyx und Sardonyx. Die italienischen Gemmenschneider verwandten ihre darin erlernte Kunstfertigkeit