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XI. Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft.
Ackerbau als Hauptgewerbe. Ackerbau als Nebengewerbe.
Zahl der
Eigenthümer
von Höfen.
Zahl der
Pächter.
Summe der
Eigenthümer,
Pächter,
Wirthschafter.
Deren
Frauen,
Kinder,
Angehörige.
Knechte,
Jungen,
Mägde.
Tagelöhner,
Handarbeiter
Zahl der
Landwirthe.
Deren
Frauen,
Kinder,
Angehörige.
Knechte,
Jungen,
Mägde.
Tagelöhner,
Handarbeiter
männl. weibl. männl. weibl. männl. weibl. männl. weibl.
1618 1140 2758 12156 1277 1503 375 259 1764 6352 265 411 91 60

Der Betrieb der Landwirthschaft beruht überwiegend auf dem Fruchtwechsel-System, Halmfrucht (Roggen, Hafer) oder Buchweizen mit dreijährigem Turnus und jährlicher Düngung. Bei den wenigen Districten mit mehr bindendem Boden findet ein sechsjähriger Turnus mit zweimaliger vollständiger Düngung statt, und hier folgen sich Rapps, Weizen, Roggen, Sommerfrucht, Klee. Zu erwähnen bleibt hier eine im Kreise hin und wieder vorkommende Bewirthschaftungsart, welche darin besteht, daß Grundstücke, nachdem sie zwei oder drei Jahre als Ackerland benutzt worden sind, eben so lange oder auch noch länger wieder als Weide benutzt, und daher Wechselland genannt werden.

Die Werkzeuge und Maschinen, deren man sich bei dem Betriebe der Landwirthschaft bedient, sind die hergebrachten und nur vereinzelt kommt auf größern Besitzungen ein Werkzeug oder eine Maschine neuerer Art vor. Als Düngemittel wird vorzugsweise der Stalldünger verwendet, der auch mit Rasen (Plaggen) an Haufen gesetzt und zu sogenanntem Plaggendünger verwendet wird. Künstliche Düngemittel werden wenige benutzt; nur hin und wieder bedient man sich des Guano und des Kalkes.

Wie auf dem platten Lande, so wird auch in den städtischen Feldmarken der Ackerbau betrieben, abgesehen von den kleinern Parzellen, bei welchen eine geregelte Fruchtfolge nicht beachtet werden kann, weil hier mehr dem Bedürfniß des Hauswesens Rechnung getragen werden muß.

Die landwirthschaftlichen Erzeugnisse des Kreises sind folgende: Weizen, welcher jedoch nur in den Gemeinden Werth und Weseke gedeiht, Roggen, Gerste, Hafer, Buchweizen, große Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Wurzeln (Möhren) als Futter für das Vieh, in gleicher Weise Runkelrüben, Rüben, Spörgel, Klee, ferner an Ölpflanzen, Rapps, Rübsen, Avel, und an Gespinnstpflanzen Flachs und Hanf. Der Tabaksbau hat ganz aufgehört, weil dieser zu viele Arbeit und Vorsicht in der Behandlung erfordert, wenn entsprechende Preise erzielt werden sollen, und da in jüngern Jahren die Kartoffeln höhere Preise gegen früher hielten, so fand sich bald, daß diese bei weniger Arbeit und Kostenaufwand einen höheren und sicherern Ertrag gewährten, als der Tabaksbau.

Der Gartenbau ist von geringem Umfange und erstreckt sich blos auf die für die Küche nöthigen Gemüse und Kräuter, ohne auf den Verkauf gerichtet zu sein. Der Obstbau gewinnt erst nach und nach an Ausdehnung, da die bei den meisten ländlichen Schulen angelegten Obstbaumschulen mehr Gelegenheit zur Obstkultur bieten.

Der Absatz der Getreide- und andrer Feldfrüchte wird durch die Märkte in Rees, Wesel und Dorsten zum größen Theile vermittelt, da regelmäßige Kornmärkte im Kreise nicht stattfinden. Die Preise der hauptsächlichsten Fruchtarten aus den Jahren 1859, 1860 und 1861 weisen folgende Tabellen nach.