Seite:Statistische Darstellung des Kreises Moers.pdf/136

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Unter den 101 Lehrern gibt es 91 angestellte und 10 Gehülfen, welche letztere den Seminarkursus noch nicht durchgemacht haben. Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen zusammen beträgt 113, unter welchen sich 49 evangelische und 42 katholische Lehrer, ferner 12 katholische Lehrerinnen und 2 jüdische Lehrer befinden. Die Zahl der die Schule besuchenden Kinder beträgt 9982, diejenige der schulpflichtigen überhaupt 10019 (17% sämmtlicher Einwohner), so daß nur 37 Kinder theils wegen Krankheit, theils aus anderen Gründen, z. B. weil sie häuslichen Unterricht empfangen, die öffentlichen Schulen nicht besuchen. Die Schulpflichtigkeit beginnt in den meisten Schulen mit dem vollendeten 6ten, in einigen mit dem vollendeten 5ten Jahre, und dauert in der Regel bis zum vollendeten 14ten Jahre. Auf jeden Lehrer (jede Classe) kommen durchschnittlich 88 Schüler, auf jede Schule aber durchschnittlich 128. Der Schulbesuch ist in den Wintermonaten ziemlich regelmäßig, im Sommer ist er es ungeachtet zahlreicher Dispensationen weniger. Außer in den gewöhnlichen Unterrichtsfächern wird in fast allen Schulen durch besonders angestellte Lehrerinnen Unterricht in den weiblichen Handarbeiten ertheilt. Das Turnen hat erst im Jahre 1862 begonnen. Der Unterricht in der Obstbaumzucht bleibt auf vereinzelte Versuche beschränkt.

Die Elementarlehrer erhalten von der Gemeinde freie Wohnung nebst Garten, event. eine Miethsentschädigung und außerdem ein baares Gehalt. Dasselbe ist in der Regel fixirt, in welchem Falle das Schulgeld zur Gemeindekasse fließt; anderen Falles bezieht der Lehrer das Schulgeld und außerdem einen Zuschuß aus der Gemeindekasse. An allen Schulen, mit Ausnahme jedoch der evangelischen Schulen zu Sonsbeck, Friemersheim und Bliersheim, der katholischen Schulen zu Hohenbudberg und Caldenhausen und der jüdischen Schule zu Moers, wird ein Schulgeld (meist von 3 Sgr. monatlich) erhoben. Bei einem mäßigen Anschlage der Dienstwohnungen und Gärten und mit Hinzurechnung der aus kirchlichen Nebenämtern fließenden Einnahmen betrugen die Gehälter Ende 1861:

der evangelischen Lehrer     
15275 Thlr.
der katholischen Lehrer
13271
"
der jüdischen Lehrer
470
"
Summa
29016
"

Hiervon wurden aufgebracht:

durch
Schulgeld
durch Zuschüsse der
     Gemeinden und sonstige     
Leistungen
durch Zuschüsse
des Staates.
Thlr. Thlr. Thlr.
bei den evangelischen Schulstellen       3111 11950 214
" " katholischen " 3281   9966   24
" " jüdischen "   190     280   —
Summa: 6582 22196 238

Die Zuschüsse der Gemeinden und die sonstigen Leistungen, unter welchen insbesondere die Einkünfte aus kirchlichen Nebenämtern und aus dem übrigens unbedeutenden und nur bei einigen Schulen vorhandenen spezifischen Schulvermögen zu verstehen sind, übersteigen demnach das Schulgeld um mehr als das Dreifache. Aus dem Betrage des Letzteren ergibt sich, daß viele Kinder gar kein Schulgeld bezahlen, theils weil keines erhoben, theils weil es ihnen erlassen wird. Das Einkommen eines Lehrers beträgt durchschnittlich 257 Thlr.; wollte man die Gehülfen und die Lehrerinnen außer Acht lassen, so dürfte der Durchschnitt wohl 280 Thlr. übersteigen.

In den letzten drei Jahren sind die Lehrergehälter wiederum nicht unerheblich verbessert worden. So erhielten an dauernden Gehaltsverbesserungen