Seite:Swift-Tuchhändlerbriefe-Satyrische und ernsthafte Schriften 1-1756.pdf/5

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aber ist das ärgste noch nicht. Denn Wood kann uns verstolener Weise, wenn er will, noch andere 108000. Pfunde herüberschiken, und alle unsere Waaren für einen blossen zwölften Theil ihres Wehrtes an sich kaufen. Zum Exempel wenn ein Hutmacher ein Duzend Hüte, das Stük um fünf Schillinge verkauft, welches zusammen drei Pfunde ausmacht, und läßt sich mit Woods Münze bezahlen, so kriegt er mehr nicht als den Wehrt von fünf Schillingen.

Vielleicht wundert ihr euch, wie es möglich gewesen, daß ein so schlechter Kerl, als dieser Wood, so viel Credit gehabt, unter seiner Majestät Einsiegel ein Patent zuerhalten, das ihn berechtigt, eine so grosse Summe kleiner Münze in dieses verarmte Land hinüberzuschiken, und daß hingegen der sämtliche hohe und niedere Adel allhier, die gleiche Gunst, und daß wir unsere Halbpfenninge selbst schlagen dürften, nicht hat erhalten mögen, wie doch vorhin öfters von uns geschehen ist. Wolan, dieses will ich euch ganz deutlich erklären. Wir sind vom Hofe sehr weit entfernet; und haben niemand daselbst, der sich unser mit Ernst annehme, obschon sehr viele Lorde und Ritter, welche ihre Güter bei uns haben, und unsere Landesleute sind, ihr ganzes Leben und Vermögen daselbst durchbringen. Dieser nämliche Wood hingegen war im Stande unaufhörlich für seinen Nuzen zuwachen. Er ist ein Engländer und hatte grosse Patronen, und wußte (wie es scheint) sehr wol, wo er Gelt geben müßte, damit gewisse Leute mit gewissen andern Leuten sprächen, die mit dem König sprechen, und ihm eine hübsche Historie vormachen könnten; und der König, und vielleicht der, oder die grosse Herren, welche mit ihm gesprochen, mögen wol dafür gehalten haben, daß dieses

Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Briefe des Tuchhändlers. [s.n.], Hamburg und Leipzig 1756, Seite 299. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Tuchh%C3%A4ndlerbriefe-Satyrische_und_ernsthafte_Schriften_1-1756.pdf/5&oldid=3394094 (Version vom 1.8.2018)