Seite:Swift-Tuchhändlerbriefe-Satyrische und ernsthafte Schriften 1-1756.pdf/9

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ich hoffe, wir sollen doch die Gnade geniessen, daß wir sie nicht höher annehmen dürfen, als was sie werth sind.

Man sagt, daß der Ritter Conolly[WS 1] sechszehntausend Pfunde jährlicher Einkünfte hat. Nun wenn dieser Herr in die Stadt schiket (wie er wahrscheinlich thut) seine Renten zuerheben, so muß er zweihundert und fünfzig Pferde haben, nur den halben Theil davon herüber zubringen, und er muß zwei oder drei grosse Keller im Hause haben sie zuverwahren: Was aber die Wechsler thun werden, das kann ich nicht sagen. Denn ich bin versichert, daß einige derselben wol vierzigtausend Pfunde in der Casse liegen haben, um alle vorfallende Zahlungen abführen zukönnen, diese Summ aber in Woods Münze wegzubringen, würden zwölfhundert Pferde erfodert.

Was mich betrift, so habe ich mich schon entschlossen, was ich thun will. Ich habe in meiner Bude eine gute Provision von Irrlänschen Tüchern, und Seidenwaaren. Und an statt Woods miserablen Kupferquark anzunehmen, will ich mit meinen Nachbarn den Fleischhauern, Bekern, Bierbrauern, u. s. f. Gut gegen Gut vertauschen, und das wenige Gold und Silber das ich habe, will ich bis entweder bessere Zeiten kommen, oder bis ich bald Hunger sterben werde, wie mein eigen Blut verwahren. Alsdenn will ich Woods Münze an mich handeln, so wie mein Vater die verfälschte Kupfermünze zu König Jacobs Zeiten, da er für eine einzige Guinée zehn Pfunde eingetauscht hat, und ich hoffe gleich viel für eine Pistole[WS 2] zuerhalten, und so mein Brot von denen zugewinnen, die thöricht genung seyn werden, mir dieselbe zuverkaufen.

  1. William Conolly (1662–1729) Großgrundbesitzer, von 1715–1729 Sprecher des irischen Unterhauses.
  2. Pistole: spanische Goldmünze; der Wert lag unter der einer Guinée.
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Briefe des Tuchhändlers. [s.n.], Hamburg und Leipzig 1756, Seite 303. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Tuchh%C3%A4ndlerbriefe-Satyrische_und_ernsthafte_Schriften_1-1756.pdf/9&oldid=3394138 (Version vom 1.8.2018)