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Und nun gar die vermeintlich vollständige Uebereinstimmung in der Form und feineren Structur der Organe (exact equivalence in minute structure), welche R. L. als Beweisgrund für „Limulus an Arachnid“ betrachtet! Zunächst der Besitz netzförmiger Sexualdrüsen, welche den Crustaceen fehlen sollen! Kennt R. L. nicht einmal die netzförmigen Geschlechtsdrüsen der Gattung Apus, welche doch von ihm zum Gegenstand einer Abhandlung gemacht wurde? Und vermag er so wenig die morphologische Bedeutung einer Eigenschaft zu beurtheilen, dass er die äussere Form der Sexualdrüse systematisch als bestimmendes Moment verwerthet? Was sollen ferner die Vergleiche der ganz willkürlich als Segmentalorgane und nun gar als Schalendrüsen gedeuteten Beindrüsen (sogenannten Coxaldrüsen), welche bei Crustaceen eine grosse Verbreitung haben, zum Beweise des Limulus als Arachnid, was endlich die Structur der sogenannten Entochondriten und inneren Skeletbildungen bei Limulus, Scorpio und Mygale, zumal ganz ähnliche Bildungen auch bei Crustaceen vorkommen?

Unter so bewandten Umständen wird man sich kaum wundern können, wenn ich in R. L.’s Limulus-Artikel nach keiner Seite hin eine Förderung des seit Jahren aufgestellten Problems zu erkennen vermochte, denselben vielmehr als einen verfehlten Versuch betrachten musste, aus welchem kein sicherer neuer Anhaltspunkt zu entnehmen war. Hätte ich demnach in meiner Mittheilung überhaupt Literaturangaben aufnehmen können, so würde ich ganz gewiss R. L.’s Artikel nur in obigem Sinne und zum Belege, wie weit urtheilslose Speculationen über das Ziel hinauszuschiessen vermögen, citirt haben, ich kann jedoch offen gestehen, dass mir der Inhalt von Ray Lankester’s Limulus-Aufsätzen bei Abfassung der kurzen Anzeige ganz und gar fern lag, umsomehr, als meine Auffassung von dem Verhältnisse der Gigantostraken zu den Arachnoideen mit allen diesen Speculationen, Behauptungen und Schlüssen des englischen Autors gar nichts gemeinsam hat. Wäre R. L. im Stande gewesen, die paar Worte meiner Mittheilung mit ruhiger Ueberlegung zu lesen, so hätte ihm unmöglich der Gegensatz beider Anschauungen so vollständig entgehen können; er hätte alsbald mit dem ihm eigenen Scharfsinn erkennen müssen, dass ich etwas von den Folgerungen seiner Arbeiten ganz Verschiedenes behaupte, wenn ich die Gigantostraken theils wegen mangelnder Beweisgründe für ihre Crustaceennatur, theils auf Anhaltspunkte der Entwicklungsgeschichte hin für Stammformen der Arachnoideen halte und beide als verschiedene Classen in die gleiche genetische