| Unbekannt: Tafellieder zur Nachfeier des hundertjährigen Jubiläums der Freiberger Bergakademie am 29. Juli 1867 | |
|
|
Es drang’n der Optik lichte Strahlenwellen
Tief in den Geist uns ein;
Doch kam der Strahl, der unser Herz macht’ schwellen –
Aus schönen Aeugelein.
Vertraut wir war’n mit Wassersäul’nmaschinen
Und Dämpfen hohen Drucks.
Allein mit höchstem Nutz-Effecte dienen
Musst uns der Stiefelfuchs.
Zersetzten flott in ihre Elemente
Die Stoffe nach Gewicht,
Und legten grossen Werth auf die Procente –
Nur bei dem Pumpen nicht!
Der Eifer für die Stufen und Krystalle
War stark und ungetheilt.
Gesammelt haben wir Min’ralien Alle –
Und manchmal auch verkeilt!
Granit und Gneus, Porphyr und Glimmerschiefer
Beschäftigten uns viel.
Genügend vom fossilen Ungeziefer
War’n Enkrinitenstiel.
Was wir mit Loth und Wasser abgewogen,
D’rauf konnte man vertrau’n.
Markscheidrisch haben wir die Schnur gezogen –
Und d’rüber auch gehau’n!
Wir fuhren ein, viel Lachter tief und seiger –
In Delius’ Bergbaukunst;
Gelangten durch Gelehrsamkeit beim Steiger
Und seiner Frau in Gunst.
Oft waren, auf des Halses alter Brücke,
Am Heerd des Treibens wir,
Benutzten klug des Lebens Silberblicke
Und löschten ab mit Bier.
Unbekannt: Tafellieder zur Nachfeier des hundertjährigen Jubiläums der Freiberger Bergakademie am 29. Juli 1867. C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1867, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Tafellieder_100_Jahre_Freiberger_Bergakademie_1867.pdf/6&oldid=- (Version vom 12.5.2026)