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An die Mutter.
Neuendettelsau, den 26. Februar 1865

 Liebste Mutter, ...warum ich Dir ganz notwendig heute schreiben muß, ist eine Neuigkeit, die Du nicht zuerst durch Marie selbst erfahren sollst. Diese geht nämlich nach dem Willen des Herrn Pfarrers und Frau Oberins übermorgen, am 28. Februar, nach Fürth, um dort eine Pflegeanstalt zu übernehmen; nicht ins Spital, liebste Mutter, es ist zunächst kein Typhus oder so etwas zu fürchten, es ist der gleiche Beruf, wie sie ihn hier hatte. Dich wird’s wohl überraschen, und uns beiden wird’s auch schwer ums Herz. Aber wir haben das mit in unseren Diakonissenberuf hineingenommen. Herr Pfarrer meint, es sei einer jeden gut, einmal auf eine Zeit hinauszugehen, wie die Söhne die Fremde suchen müssen. Marie soll dann wieder zurückkehren und hier angestellt werden. Die Diakonissin, welche bisher der Fürther Pflegeanstalt vorstand, wird dort Krankendiakonissin in der Gemeinde, und man fand für ihre Stelle niemanden so passenden wie Marie. Sie wohnt in dem Haus der Frau Schröder[1], Herrn Pfarrers Schwester, die auch Vorsteherin der Anstalt ist, aber nicht mehr in Fürth, sondern in Nürnberg wohnt. Nur ein paar Schritte davon wohnt Herr Max Löhe, Herrn Pfarrers Bruder, an den sich Marie nur halten soll, so wird sie einen Vater an ihm haben. Seine Töchter – eine davon ist Marie sehr befreundet – sind bisher sehr eifrige Helferinnen an der Pflegeanstalt gewesen. Dazu sind sehr brave Schwestern in Fürth, im ganzen eine so große Zahl, wie nirgends auf einer auswärtigen Station. Und zwischen Dettelsau und Fürth besteht ein inniger, immerwährender Verkehr. Kurz, alles ist so, daß, wenn’s einmal „draußen“ sein muß, Fürth der beste Ort ist. Aber draußen ist’s halt doch. Und mit dem lieblichen Rettungshäuslein ist’s für immer vorbei. Ich fahre am Dienstag mit nach Kloster und besuche, denke ich, Marie in den Ferien auf einen Tag, wenn es mein neuer Beruf erlaubt, heißt das. Aber wenn ich von meinem neuen Beruf rede, so ist das was anderes als bei Marie. Der ist lustig und alteriert meinen alten nicht im geringsten. Denke nur, ich soll mit Schwester Amalie demnächst terminieren gehen. Diese Sache


  1. Korr.-Bl. 1883, Nr. 7/8.
Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/150&oldid=2951032 (Version vom 10.11.2016)