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durchs Leben als eine Ehefrau, obendrein eine, die ehedem Diakonissin war und so ganz drin gelebt und gewebt hat wie sie. Eben als ich dies schreibe, hat unser Herr Doktor einen Zettel von dieser seiner Braut, bei der er ein paar Tage war, gebracht. Sie bittet uns alle immerzu in jedem Brief um Erhaltung der Liebe und Gemeinschaft...

Deine dankbare Tochter Theresia.


27. Juli 1865

 Mein Brief ist noch hier, und indessen hat Herr Konrektor Lotze um seine Entlassung gebeten und zwar so entschieden, daß nichts dagegen eingewendet wurde. Es ist eine große Veränderung für unsere ganze Sache.


An die Mutter.
Neuendettelsau, 11. Sonntag nach Trin. 1865

 Meine liebste Mutter, ...heute ist Herr Pfarrer in Polsingen und hat dort gepredigt. Am 13. und 14. September sind unsere Prüfungen. Herr Konsistorialrat Bäumler will dazu kommen. Er tut am 1. Oktober seine Tochter Helene hieher.

 Ich habe die stillen Sonntagnachmittage so gar gern. Es ist jetzt alles in der Christenlehre. Ich sitze in Stube 17 und höre Herrn Konrektor im Betsal sprechen. Nachher will ich mir ein ganz seltenes Privatvergnügen machen und mir einiges herausschreiben aus einer Briefsammlung, die mir neulich jemand gegeben. Es sind nämlich Briefe, die Herr Pfarrer vor Jahren an eine junge geistliche Tochter geschrieben hat und die so viel Schönes enthalten, daß ich sie immer bei mir haben will, auch wenn ich die Originale wieder zurückgebe.

 Deine treuen Gebete begleiten mich, nicht wahr, auch auf der Reise[1], worauf es mir schon ein wenig bange ist. Ich will jetzt recht nach innerer Stille und Ruhe ringen. Wie gut ist für mein Temperament die Gebundenheit des Diakonissenlebens!

 In herzinniger, dankbarer Liebe

Deine Theresia.



  1. Zur Generalkonferenz der Diakonissenhäuser nach Kaiserswerth.
Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/154&oldid=2951065 (Version vom 10.11.2016)