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rechts ist das Schulhaus, das seine Front dem Blick zukehrt und einen Haufen Leute vor seinen Pforten hat. Du siehst auch ein paar Frauenzimmer in hellen Kleidern in der Nähe und würdest mit der Lupe ohne Zweifel in einer derselben Julie erkennen. Zwischen Pfarr- und Schulhaus steht ein Mann so ruhig und fest wie ein Fels: es ist der Papst von Dettelsau; neben ihm sein Vorsteher – Brunner heißt er – mit der Sense und in einiger Entfernung Seine Majestät der hiesige Schulmeister. Der schöne See im Vordergrund, in dessen klarer Flut sich seine nächste Umgebung spiegelt, ist ein wenig idealisiert: es ist, im Vertrauen gesagt, hier eine schmutzige Pfütze. Hoch oben sieht man in Miniatur die Hüttlein Gottes, – unsere Anstalten: rechts die große neue Blödenanstalt, links das neue Waschhaus, dann kommt, ganz von Bäumen bedeckt, der Betsaal, und daneben steht, halb bedeckt, das Diakonissenmutterhaus; ihm zur Seite links das Magdalenium mit dem Rettungshäuslein daneben. – Auf dem Bildchen mit dem Betsaal, dem Diakonissenhaus und Magdalenium ziehen wir eben zur Kirche am Mittwoch morgen ins Dorf. Der Herr Photograph hat uns vom Feld herüber damals ein Halt geboten, und so kamen wir denn aufs Bild: unsere beiden Schulen mit ihren Lehrerinnen.

 Siehst Du oben auf dem Betsaal das Glöcklein, das uns jetzt zu all unsern Gebetszeiten läutet?...

 Nur einmal wenn Du an Weihnachten einen Augenblick in unsern Betsaal schauen könntest, der mitten im Winter wie ein Garten blüht und grünt und in seinem Lichterschein von einer ewigen Weihnachtssonne und Weihnachtswonne zu den Herzen redet...

 Ich denke gar viel an mein liebes Augsburg, wo mir in der Sakristei von St. Jakob das Morgenrot eines neuen Tages oftmals zu leuchten schien, bis allmählich in Dettelsau mir eine Sonne aufging, die ewig nicht mehr untergehen soll... Deinem ganzen Hause wünsche ich ein heil- und segensvolles Jahr. Im Frühjahr darf ich, so Gott will, Deine Kinderlein sehen.

 Ich bleibe Dir, so lange ich lebe, von Herzen dankbar.

Deine Therese.


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/157&oldid=2951028 (Version vom 10.11.2016)