Seite:Therese Stählin - Meine Seele erhebet den Herrn.pdf/163

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Leidenschaftlichkeit, das Letztere ist besonders beklagenswert. Du kannst Dir’s vielleicht nicht so denken, liebste Mutter?

 Wenn Du vielleicht hie und da Dich um Luise Dieterich ein wenig annehmen könntest, wäre es gewiß recht dankenswert. Den Nördlingern ist schwerlich jemals eine Diakonissin recht. Wir sind halt auch nicht vom Himmel gefallen und gehören zum armen Sünderorden, und darum muß man sich mit uns gedulden wie mit andern Menschen und nur immer offen die Wahrheit reden.

Deine dankbare Tochter Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 26. Februar 1867

 Liebste Mutter, ...gestern ist Herr Pfarrer mit Frau Oberin nach München gereist. Es wird dort wahrscheinlich auch eine Diakonissenstation errichtet werden. Heut vor acht Tagen hat Herr Pfarrer den Michaelsorden bekommen. ...

 Wenn ich in meinen Briefen dazwischen einmal traurig scheine, so muß Dich das nicht betrüben, nur dringender beten wollest Du dann für mich. Ich kann Dir meine wechselvolle Stimmung ja nicht verhehlen und will mich in meinen Briefen nicht anders geben, als es mir gerade zumute ist. Die schwerste Not des Lebens ist doch die Sünde. Die macht mich am öftesten unglücklich. Wenn ich aber immer wieder absolviert bin und beim Sakrament gewesen, dann geht es wieder eine Zeitlang ganz gut; es ist ordentlich, wie wenn auch der Leib teilnähme an den neugeschenkten Gotteskräften, die die Seele empfangen.

 Wenn Dir einmal gelegentlich der Brief unter die Hände kommt, den ich nach meiner Kaiserswerther Reise geschrieben, so sei so gut und schick ihn mir. Ich habe mir gar nichts ordentlich verzeichnet von jenen Tagen und möchte doch gerne die Erinnerung daran festhalten.

Deine dankbare Tochter Theresia.

 PS.: Man braucht jetzt nicht mehr: „Post Kloster Heilsbronn“ hinzuschreiben; Neuendettelsau allein genügt.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 8. März 1867

 Liebste Mutter, Deinen letzten sorgenvollen Brief hätte ich am liebsten gleich nach seinem Empfang beantwortet, obwohl

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 161. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/163&oldid=2951059 (Version vom 10.11.2016)