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 Herrn Pfarrer geht es ordentlich. Granvagl war gestern da, ich habe aber noch nicht gehört, was er für einen „Sager“ getan. Herr Pfarrer wünschte sehr, von ihm die Erlaubnis zum Ausgehen zu erlangen. Unser Doktor will es nicht zugeben, solange es so kalt ist. Er hat gewiß recht. – Über die heutige Epistel hat Herr Pfarrer einmal so schön gepredigt: „Von den schönen Kleidern, die wir anlegen sollen.“

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, Februar 1870?

 Liebste Mutter, nur einen eiligen Gruß. Es fährt sogleich ein Wagen nach Ansbach. Ich bin neulich recht gut heimgekommen. An Schlauersbach waren etliche von unsern Leuten, so daß der Postillon meinte: „Do is scho halb Dettelsa.“ Der Weg war ganz gut. Ich danke Dir und den lieben Geschwistern nochmals herzlich für alles. Ich freute mich so, bei Euch ein wenig sein zu können, aber Du wirst es begreifen können, daß mich’s auch immer wieder zur Arbeit zieht. Es war auch gut, daß ich kam. Herr Pfarrer hatte mich für den folgenden Tag schon um neun Uhr bestellt und machte mich, wie er sagte, zur Bundesgenossin für einen Plan, den er wegen Abendmahlsliedern hat. Infolgedessen durfte ich mich den Tag nach meiner Rückkehr beinahe von morgens bis abends nur mit Abendmahlsliedern befassen, und Herr Pfarrer sagte obendrein am Abend, ich hätte ihm was Wirkliches geholfen. So freute mich’s doppelt. Mein Betsaalinventar, das ich in den Ferien ganz in Ordnung bringen wollte, muß eben noch ein wenig warten.

 Herzlichen Gruß!

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 17. Februar 1870

 Meine liebste Mutter,... gestern und heute ist Herr Pfarrer in der Mittagszeit ein wenig spazieren gegangen. Recht verwaist kommt mir zuweilen schon unsere ganze Gemeinschaft vor. Vielleicht empfinden es andere nicht so schwer und schmerzlich, die nicht die alte Zeit erlebt. Wenn ich nur lerne

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 185. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/187&oldid=- (Version vom 20.11.2016)