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allen Dingen sagen. Ja, dann wollen wir recht vergnügt miteinander sein und recht viel im Wald spazieren gehen. Platz gibt’s genug für Dich, und alles freut sich, Dich wieder zu sehen, ich aber am allermeisten.

 Fräulein Escher[1] ist hier immer unwohl. Wir haben sie alle recht herzlich lieb. Sie besprach gestern recht ernstlich mit mir, ob nicht Marie diesen Sommer auf etliche Wochen zu ihr käme. Sie meint, es seien bei ihr die Magennerven stark angegriffen. Eine Luftveränderung, ein Aufenthalt in ihrem schönen Landhaus bei Zürich könne herrliche Dienste tun mit Gottes Hilfe. Ich solle den Plan mit Dir und Marie besprechen. Ich weiß nun freilich nicht, was Marie dazu sagt. Jedenfalls ist’s recht freundlich von dem guten Fräulein Escher, die sich vorgenommen hat, nur noch für andre zu leben, und unter ihre Lebenszwecke es aufgenommen hat, in ihrem schönen Zürich erholungsbedürftigen Dettelsauer Diakonissen eine Erquickung zu bieten. Frau Oberin sagte schon im Spaß, sie und ich sollten nächstes Jahr einmal hin.

 Gott behüte Dich, meine liebste Mutter, und führe Dich recht bald im Frühlingssonnenschein hieher.

Deine dankbare Tochter Therese.


An ihre Schwester Ida.
Ansbach, den 10. September 1871

 Liebste Schwester, Du hast wohl gehört, daß ich meine Ferien im Ansbacher Spital zubringen will, wo ich die Stelle einer Schwester, die abgelöst wurde, vertrete. Meine schöne Idee hat aber so allgemeinen Widerstand gefunden, daß ich sie aufgegeben hätte, wenn es nicht schon zu spät gewesen wäre. Nun möchte ich aber gerne, wenn es angeht, die letzten Tage meiner Ferien bloß meinem Vergnügen leben – dann wird alles wieder mit mir zufrieden sein, und ich erfülle damit auch einen eigenen Herzenswunsch. Ich möchte recht gern Dich und alle die Lieben in Augsburg sehen.

 ...Es sind gegenwärtig gar nicht viel Kranke im Spital, ich hab’s nicht anstrengend, und es freut mich so, ihnen dienen


  1. Korr.-Bl. 1913, Nr. 1/2.
Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/202&oldid=2955153 (Version vom 20.11.2016)