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 Daß Weber hier Pfarrer wird, ist mir eine rechte Freude, wenn gleich viel Schweres drum und dran hängt. Ich habe so fest die Überzeugung, daß das Gott gemacht hat, daß ich’s wie ein Unterpfand nehme, Er werde auch für uns in Gnaden sorgen und uns nicht allzulange in der bitteren Verwaisung lassen. Nur das Sündengefühl will mir oft den Glauben anfechten, daß Gott uns auch wieder jemand in Seiner Gnade und nicht in Seinem Zorn setzen werde. Am 21. Februar zogen wir hinaus zum Grabe und sangen: „Wer sind die vor Gottes Throne“ und „Gloria sei Dir gesungen“...

 In herzlicher, dankbarer Liebe

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 25. April 1872

 Meine liebe Mutter, heute war ein rechter Freudentag, an dem ich so viel Güte und Gnade des Herrn erlebte, daß ich Freudentränen weinte und aufs neue recht fest alle die Unterpfänder für Seine fernere Durchhilfe erfaßte. Das Erste heute morgen war, daß mir Frau Oberin sagte: „Weißt du, daß die Kollekte für Polsingen bewilligt ist?“ Ja, dafür sei Gott tausendmal Dank. Nun seufzt man in Polsingen auf und nimmt, wenn die drückenden Schulden weg sind, auch alles andere leichter. Dann kam Dein lieber Brief mit der frohen Botschaft und dem tröstlichen Schreiben von Blumhardt. Wie hat mich dies letztere so innig gefreut! Ich schicke den Brief morgen nach Polsingen, und Marie wird ihn dann gleich wieder nach Ansbach schicken... Ja, der Herr ist barmherzig und gnädig und kann erretten und helfen. Ich weiß es auch ganz gewiß, daß er auch uns noch helfen und uns wieder in Gnaden einen Hirten geben wird: Keiner wird zu Schanden, der Sein harret.

 Denke Dir, vor ein paar Tagen schrieb eine Schwester aus Kulmbach, die dort an der Kinderschule dient, sie seien in eine große Verlegenheit versetzt worden. Eine ihrer Vorstandsdamen, eine gute Frau, sei zu der Schwester gekommen und habe dringend gebeten, sie möchten doch eine Zeitlang mit dem Unterricht in der biblischen Geschichte aussetzen. Die Kinder seien so begeistert von den heiligen Geschichten, daß sie daheim

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 203. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/205&oldid=- (Version vom 20.11.2016)