Seite:Therese Stählin - Meine Seele erhebet den Herrn.pdf/217

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Oft muß ich an Moses und Josua denken und wie sich Moses so arg hat plagen müssen und dafür dem Josua selbst viel Trost und Ermutigung entgegenkam.

 Nun leb’ wohl, liebe Mutter!

Deine dankbare Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 10. September 1873

 Meine liebste Mutter, ...denke Dir nur, ich reise morgen nach Berlin. Du wirst Dich freilich wundern, aber es ist wirklich so. Ich soll in das St.-Elisabeth-Krankenhaus der ehemaligen Goßner’schen Stiftung, durch welche ja eigentlich die ganze Diakonissensache der neuen Zeit wieder ins Leben gerufen worden ist. Die Oberin dort ist Gräfin Arnim, und der Pastor der Anstalt war schon mehrmals hier. Besonders befreundet aber ist mir die dortige Probemeisterin Sophie Hupfeld. Seit Jahr und Tag bin ich eingeladen, und nun endlich soll es ausgeführt werden. Herr Rektor selbst wollte mich begleiten, aber weil sonst während der Ferien kein einziger von den geistlichen Herren hier wäre, so muß es unterbleiben. Er hätte nämlich die Visitation auf den norddeutschen Stationen damit verbunden...

 Ich hätte Dir so gerne ausführlich erzählt, was wir am 13. und am 22. August erlebt haben.

 Am 13. wurde die Büste unseres lieben seligen Herrn Pfarrers enthüllt, und die steht nun so wohl gelungen, als es nur irgend sein kann, vor unserm Haus. „Komm und siehe!“ möcht’ ich da auch sagen. Herr Professor von Zezschwitz hielt eine Rede, die anderthalb Stunden dauerte; aber man merkte es kaum, daß sie so lange dauerte, so war man hingenommen, und so ging die Seele mit hinein in die Gedanken des Redners.

 Und am 22., da hat uns voll Huld und Leutseligkeit unsere liebe Landesmutter[1] besucht. Ein pures Privattelegramm von Darmstadt aus meldete Herrn Rektor durch Freundeshand, daß allerhöchster Besuch zu erwarten sei. Es kam nämlich die Schwester der Königin, Prinzessin Karl, von Darmstadt


  1. Die „Landesmutter“ war Königin Marie. Sie war von Haus aus evangelisch.
Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 215. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/217&oldid=2955165 (Version vom 20.11.2016)