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 Ich bin so froh, daß er auch darin so treulich in Herrn Pfarrers Fußtapfen tritt. Er legte uns Gerhardts Lebenslauf in Abschnitten vor, und wir sangen zwischenein eins seiner Lieder, das gerade zum betreffenden Abschnitt paßte.

 Ich muß so viel an Kaiserswerth denken. Herr Pastor Disselhoff ist schwer krank. Und nun diese große, große Kaiserswerther Sache! Wir klagen und jammern zwar oft, daß nicht mehr Schwestern bei uns eintreten, aber Gott ist sehr gnädig, daß er unser Werk nicht so groß werden läßt. Ach, nur keine so großartigen Anstalten! Besser ist’s, man zweigt immer beizeiten ab.

 Gott behüte Dich!

Deine dankbare Tochter Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 17. Juli 1876

 Meine liebste Mutter, ...Marie sieht recht dunkel in die Zukunft, weil Herr Pfarrer Weber, immer noch ein ausgezeichneter Prediger, doch so kränklich ist, daß sie fürchtet, sie könnten nicht ordentlich versorgt sein[1]. Ich denke aber, das muß man jetzt ganz ruhig Gott überlassen. Wir haben das doch nicht gemacht, und es ist doch treulich um den rechten Pfarrer gebetet worden. Was nun wohl aus Dettelsau wird?

 Nächste Woche will Herr Rektor mit unserer Grünen Schule eine Partie nach Eichstätt machen. Ich bin diesmal nicht dabei, überhaupt nur etwa der dritte Teil von Menschen.

 In dankbarer Liebe

Deine Therese.


An die Kulmbacher Schwestern.
Neuendettelsau, Juli? 1876

 Liebe Schwestern, ein großes Ereignis ist fast wie ein Traum, den ich immer nicht recht fassen wollte, an meiner Seele vorübergegangen, ich meine den Weggang von Herrn Pfarrer Weber. Es muß doch alles in Gottes Plan und Weg eingeordnet sein, aber wie hat man wohl den Aufenthalt, den kurzen, von Herrn Pfarrer Weber aufzufassen, und was sollte er für die hiesige Gemeinde? Daß Gott seinem Dettelsau noch immer gnädig ist, dafür ist, meine ich, auch der gegenwärtige


  1. Pfarrer Weber wurde 1876 Pfarrer in Polsingen.
Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 229. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/231&oldid=2955130 (Version vom 20.11.2016)