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schreiben: Ich will also Diakonissin werden, wenn Gott es will und Ihr, meine Lieben, auch damit einverstanden seid. Ich bitte Euch, haltet dies nicht für eine vorübergehende Begeisterung; nehmt’s ernst, so wie es auch mir ein völliger Ernst damit ist. Der Herr wird mich stärken und auch mir, seiner armen Magd, ein Plätzlein in Seinem Weinberg anweisen, da ich wirken kann in Seiner Kraft zu Seines heiligen Namens Ehre. – Wenn Du mich fragst, ob ich Lehrdiakonissin oder Krankenpflegerin werden möchte, so antworte ich: wie Gott will! Mich zieht’s bei weitem mehr zu letzterer; denn das ist der echte weibliche Beruf. Doch ist es im Grunde gleich, wie man dem Herrn dient...

 ...Ich befehle Euch dem Schutz des allmächtigen Gottes und bin

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 24. Februar 1856

 Teuerste Mutter, vor vierzehn Tagen war Leonhard wieder hier. Das war ein segensreicher Sonntag, den ich verlebte. Alles vereinigte sich, um mich da recht glücklich und froh zu machen. Zwei herrliche Predigten, die ich da hörte, machten, wie immer, einen tiefen Eindruck auf mich; dann konnte ich Leonhard ziemlich lange und ungestört sprechen. Dann durfte ich bei Tisch den Armen dienen (es fasten nämlich wöchentlich eine Anzahl Mädchen und dafür werden Sonntags Arme gespeist; ich habe mit mehreren schon einen ganzen Tag gefastet). Dann war ich im Pfarrhaus eingeladen. Leonhard kam mit seinen Freunden auch dorthin, und Herr Pfarrer stellte mich ihm als seine Sekretärin vor, da ich nämlich in der letzten Zeit die ganze Hausordnung geschrieben. Der Schluß jenes Tages war am allerschönsten. Da wurde eine Diakonissin feierlich ausgesegnet, die Lehrerin an der hiesigen Kinderschule ist. Dabei durfte ich auch ein kleines Amt verrichten.

 Johanna Zwanziger läßt Sie herzlich grüßen. Wie viel mir diese echte Diakonissin geworden ist und immer mehr wird, kann ich gar nicht sagen. Mir ist bange aufs Frühjahr, wo sie nach Hannover kommt...

Ihre dankbare Therese.


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/41&oldid=2917167 (Version vom 17.10.2016)