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 Nun komme ich noch mit einem Vorschlag: möchtest Du mich nicht einmal als Magd annehmen? Ich muß mich einmal verdingen, denn ich verstehe noch gar zu wenig von den Hausarbeiten, Kochen etc., und eine Diakonissin muß doch dies alles gut verstehen. Wenn Du mich nicht willst, kann ich vielleicht in irgend ein Pfarrhaus kommen. Schreib mir doch, was Du meinst. Als Magd will ich dienen, denn ich muß wissen, wie das schmeckt; aber bitte, lache mich nicht aus damit, denn es ist mein völliger Ernst.

 Ich hätte Dir noch viel zu schreiben, aber ich habe diese wenigen Minuten nur aus Gunst des Fräulein Rehm noch benützen dürfen zum Schreiben; es ist schon fast alles im Bett – morgen müssen wir um 1/25 Uhr wieder aufstehen. Gute Nacht! ...Der Herr behüte Dich! Bete für Deine Dich herzlich liebende

Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 11. September 1856

 Meine liebe, gute Mutter, die Gnade des treuen Heilandes sei mit Ihnen! Das war gestern ein Diakonissensonntag! Von morgens bis abends klangen uns die Ohren von Diakonie und Diakonissenamt und Diakonissin. Ich werde Ihnen einmal die Predigt samt der darüber gehaltenen Christenlehre und der Ansprache in unserm Hof schicken, denn es war dies sehr belehrend.

 O wenn mich der Herr einmal würdigte, eine Gemeindediakonissin zu werden, wie sie in der alten Zeit waren! Dürfte ich den leuchtenden Vorbildern nachwandeln, die vom Apostel im Römerkapitel gegrüßt werden: einer Phöbe, einer Persis, einer Maria, die sich im Herrn abmüht!

 Liebe Mutter, ich sehe recht oft, daß ich schrecklich ungeschickt bin. Was andern ganz natürlich und angeboren ist, das muß ich mir alles erst aneignen, und oft habe ich dazu gar keine Lust. – Doch will ich eine Diakonissin werden, und die muß praktisch sein...

 Ich weiß nicht, ob ich schon in einem meiner Briefe geschrieben habe, daß gegenwärtig auch zwei Damen aus Rußland

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/50&oldid=2917153 (Version vom 17.10.2016)