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den Rock der Gerechtigkeit, der Himmel und Erde mit seinem Glanz erfüllt.“ Dieser Rock der Gerechtigkeit ist nun mein Teil geworden. Ich bin so selig und fröhlich darüber, daß die schwere Sündenlast ausgetilgt ist. Und welch eine hohe Gabe erwartet mich erst nächsten Sonntag! O unser Leben sollte ein fortgesetzter Lobgesang des Herrn sein bei allem Jammer über unsere Sünde. Nächsten Sonntag gehen 225 Personen aus der Gemeinde zum Abendmahl, davon gehen über 100 zur Privatbeichte. Gestern und heute hat Herr Pfarrer die beiden Anstalten zur Beichte gehabt, und morgen wird wohl fast der ganze Tag darauf gehen, um die Gemeinde zu verhören.

 Nun, liebste Mutter, ich befehle Sie und alle die lieben Geschwister dem Schutz und der Gnade des Herrn und bleibe in dankbarer Liebe

Ihre Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 24. Dezember 1856

 Liebste Mutter, ...heute haben wir den letzten Adventssonntag gefeiert und eine Predigt gehört über die herrliche Epistel: „Freuet euch in dem Herrn allewege.“ Über alles sollen wir uns freuen, befiehlt demnach der Apostel, immerzu uns freuen, im Angesicht des Grabes, des Todes, jedes Schmerzes uns freuen? O liebste Mutter, wenn wir doch schon so weit wären! Immer freier wenn wir würden von der Sünde der Traurigkeit und immer tiefer hineingingen in das Meer der Freuden, das da Jesus heißt.

 Morgen gehe ich vielleicht, wenn Herr Pfarrer es erlaubt, nach Kloster, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen. So reich und glücklich bin ich noch nie gewesen. Drei Mädchen haben sich mit mir verbunden, um den Armen eine Bescherung zu geben. Wir haben zusammen ungefähr 7 fl. dazu. Meine Ohrenringe sind so doch besser angewendet? Das übrige Geld ist auf ähnliche Weise erlangt worden. Sie können denken, wie wir uns auf diese Bescherung freuen. Das Weihnachtsfest wird überhaupt bei uns wunderschön werden. Am ersten Feiertag ist unsere Bescherung, am heiligen Abend die für die Armen der Gemeinde in der Kirche, woselbst ein hoher Baum funkeln wird. Auch soll am Mittwochabend Betstunde sein und

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Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/56&oldid=2920462 (Version vom 24.10.2016)