Seite:Therese Stählin - Meine Seele erhebet den Herrn.pdf/68

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

jemals für einen Abschnitt der Bibel so warm geworden bin als gestern für das großartige 1. Kapitel des 1. Buches Mose, von welchem jedoch vorderhand nur die neunzehn ersten Verse gelesen sind. ...Ich habe überhaupt in der letzten Zeit die große Gnade, mehr Lust als je zum Worte Gottes zu haben. Ich möchte den ganzen Tag in der Bibel lesen. Das ganze Haus liest, in Partien geteilt, alle Tage gemeinschaftlich eine oder eine halbe Stunde (außer der Stillen halben Stunde), und bei den Kindern ist natürlich Biblische Geschichte ein Hauptlehrgegenstand. Die wissen aber auch die heiligen Geschichten, daß es eine Freude ist.

 Wir singen bei allen unsern Hausgottesdiensten Psalmen in zwei Chören. Es liegt in den Psalmentönen eine Einfachheit und Hoheit, die selbst ein für Musik stumpfer Mensch herausfühlt. Zu einer Harfe lauten sie gewiß noch einmal so schön; daher wir dieses Instrument in unserer Anstalt sehr vermissen... Gegenwärtig handelt Herr Pfarrer in den sonntäglichen Predigten nicht die Evangelien ab, sondern andere Gegenstände, die die Gemeinde notwendig wissen muß und die zu erwähnen sonst wenig Gelegenheit ist: das erste, was da vorgenommen wurde, ist der Hausgottesdienst, von welchem denn auch die beiden letzten Predigten handelten. „Aus dem Gottesdienst fleußt christliches Leben, und aus dem Leben fleußt wiederum der Gottesdienst“, so hieß ein Satz der Predigt: eine Wahrheit, die sich gewiß tausendfach bestätigen läßt. Es ist wirklich eine wichtige, einflußreiche Sache um den Hausgottesdienst.

 Die günstige Witterung, welche wir jetzt haben, erlaubt es wieder vielen Fremden, Dettelsau zu besuchen. Da spürt man oft des Sonntags den Mangel einer größeren Kirche, weshalb Herr Pfarrer seit einigen Wochen eine Sammlung zur Erweiterung unseres Kirchleins veranstaltet hat. Es sind schon fast 100 fl. beisammen und wäre sehr zu wünschen, daß die Summe rasch zunähme. Möchtest Du vielleicht so gut sein und in Kreisen, denen Dettelsau kein Dorn im Auge ist, dies bekannt machen?

 Von Deinen nächsten Ferien mußt Du einige Tage hier zubringen. ...Mit Dir sei die Gnade des Herrn!

Deine treue Therese


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/68&oldid=- (Version vom 24.10.2016)