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neulich drei Pfarrer, die in der Stunde waren, mit größtem Eifer aufschrieben.

 Vorigen Mittwoch feierten wir das Gedächtnis der Maria Magdalena, die ich nun auch mit ganz anderen Augen anschaue als bisher. Sie ist wirklich nach Maria, der Mutter Gottes, das größte Weib des Neuen Testaments: die Letzte am Kreuz, die Erste am Grabe, zeigt sie eine so glühende Liebe zum Herrn, daß darin keine ihr gleichkommt. Sie ist die Erste unter der Sonne, die den Auferstandenen sehen darf, und erscheint uns überhaupt als eine vom Herrn Hochbegnadigte. Heute feiern wir Jakobus des Größeren Todestag; obwohl eigentlich erst morgen sein Todestag ist, wurde doch heute (Freitag) der Gottesdienst gehalten. Der nächste Sonntag ist wieder ein sehr reicher Tag: da ist zuerst hier Gottesdienst mit Predigt, dann in Reuth, dann in Reuth Christenlehre und zuletzt um 5 Uhr ist hier Vesper.

 Herr Pfarrer hat gegenwärtig sehr zahlreiche Besucher. Die Schwester seiner seligen Frau ist hier mit drei Kindern. Schade, daß Marianne nicht hier ist, die muß nämlich in Reichenhall eine Kur für ihre Augen gebrauchen. Sie darf dieselben nicht im geringsten anstrengen, muß eine Brille tragen. Nun ist sie schon, glaube ich, fünf Wochen fort und ist noch keine Aussicht da, daß sie bald zurückkehren könnte. Gewiß keine Kleinigkeit, so lange vom Vater getrennt zu sein.

 Liebste Mutter, eine herzliche Bitte: daß Sie und das ganze Eichstätter Pfarrhaus fleißig möchten beten für unsern teuern Herrn Pfarrer, sonderlich um noch lange Erhaltung seines Lebens. Er spricht so viel von Müdwerden und Altwerden, daß es einem könnte bange werden; doch der Herr wird’s versehen.

 Auch meiner, liebste Mutter, vergessen Sie nicht im Gebet. Mich will oft mein Beruf drücken, weil ich meine Untüchtigkeit und den geringen Erfolg sehe; das ist Mangel an Gottvertrauen und viel Hochmut. Beten Sie auch für mich um rechte Geduld und Sanftmut.

 Unsere griechischen Studien haben seit vierzehn Tagen wieder begonnen, nachdem sie seit Ostern ausgesetzt waren;

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/70&oldid=- (Version vom 24.10.2016)