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An die Mutter.
Neuendettelsau, den 24. Januar 1858

 Liebste Mutter, in allen meinen bisherigen Briefen habe ich nichts erwähnt von der in Eichstätt oft besprochenen Harfe. Heute höre ich zufällig von einem Kinde, daß unser Herr Konrektor Harfe spielen kann. Ich weiß, daß ein Wunsch sowohl Herrn Pfarrers als des übrigen Hauskollegiums durch den Besitz einer Harfe befriedigt würde. Darum bitte ich Sie recht herzlich, die in Leipzig befindliche, wenn es irgend möglich ist, der Anstalt zu schenken und vielleicht auch die Harfenschule zu schicken. Es ist ja freilich ein Opfer, das Sie damit unserem Hause bringen, aber wenn Sie die Wohltaten ins Auge fassen, die eines Ihrer Kinder in demselben empfangen und noch empfängt, so wird Ihnen das Opfer nicht zu groß vorkommen.

 Gestern abend beendigte Herr Pfarrer das Diktat über Kirchenschmuck mit einem Plan für einen zu gründenden Paramentenverein, welcher sich mit Fertigen von Altarbekleidungen etc. befaßt. Jedes Vereinsmitglied muß, so diktierte Herr Pfarrer, 1. spinnen, 2. stricken und Strümpfe stopfen und 3. weißnähen können. Ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie mich spinnen gelehrt haben.

 In dankbarer Liebe

Ihre Therese.


An ihre Schwester Ida.
Neuendettelsau, den 16. Februar 1858

 Meine liebe Schwester, Friede sei mit Dir! ...Wenn ich acht Tage zurückgehe, so begegnet mir in Gedanken der 2. Februar, ein ereignisreicher Tag für das Diakonissenhaus, wie Du gleich hören wirst. Der Unterricht von Herrn Pfarrer oder vielmehr das Diktat, das uns in der letzten Zeit gegeben wurde, hatte zum Gegenstand „den Schmuck der heiligen Orte“. Zweck desselben war, in uns den rechten liturgischen Sinn in dieser Beziehung zu erwecken und uns zu veranlassen, mehr als bisher für den Schmuck der Kirchen zu sorgen, richtige Altar- und Kanzelbekleidungen zu fertigen, die Form der heiligen Geräte genau zu kennen etc. Zu dem Ende diktierte Herr Pfarrer einen Plan, den er sich in der vorhergehenden schlaflosen Nacht ausgesonnen, für eine zu bildende Akademie, die es sich zur Aufgabe macht, alle die im Diktat gegebenen

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/76&oldid=2920471 (Version vom 24.10.2016)