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so viel leisten kann wie die anderen Lehrerinnen, aber es ist meine Abneigung doch auch nicht ohne wirklichen Grund. Ein tägliches Unterwerfen unter das süße Joch Jesu Christi, der uns ja immer an den rechten Ort stellt, hilft über das alles hinweg, helfe auch mir über meine Unzufriedenheit hinweg.

 Gott behüte Sie!

Ihre dankbare Therese.


An die Mutter.
Nördlingen, den 19. April 1858

 Meine liebste Mutter, das Examen ist gottlob recht gut vorübergegangen, besser, als ich es nach meinem Kleinmut, der sich am Ende meines letzten Briefes an Sie aussprach, verdiente. Streichen Sie jene Äußerungen als ungültig aus Kopf und Herzen aus, und seien Sie, wie immer, überzeugt, daß ich eine glückliche Diakonissin bin, von der es eitel Sünde und Undank ist, wenn sie blind wird für Gottes gnädige Führung und eben aus Blindheit dann aufhört, Gottes Gnade, die sich an ihr verherrlichen will, zu preisen. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen damals durch meinen Brief einen Kummer bereitet.

 ...Die herzlichsten Grüße von

Ihrer glücklichen Therese.


An ihre Schwester Ida.
Neuendettelsau, den 5. Mai 1858

 Herzlich geliebte Ida, fast kommt es mir vor, als sei ich nur im Traum, nicht aber in Wirklichkeit bei Euch in Augsburg gewesen. Man lebt hier wieder in der gewohnten (nicht gewöhnlichen) Weise weiter, als sei keine Unterbrechung gewesen. Doch nein, man merkt’s an dem frischeren, mutigeren Angreifen, an dem vielen Ordnen, womit wir jetzt gleich den vollen Tag zubringen, daß Ferien vorausgegangen... Ich stelle nun manchmal Vergleiche an zwischen einem solchen Leben, das ich in den Ferien führte, und zwischen dem, das ich hier zu führen habe. Von dem Resultat solcher Vergleichungen will ich weiter nichts sagen, als daß ich mir mehr und mehr das oft ausgesprochene Wort unseres Herrn Pfarrers zu eigen mache, nämlich, daß starke Beine dazu gehören, um gute Tage zu tragen.

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/79&oldid=2920457 (Version vom 24.10.2016)