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Herr Pfarrer, daß es ein großer Fehler sei, daß man so selten zum heiligen Geist bete, nur immer zu dem Vater und dem Sohn. Der Schluß reihte sich wieder an den Anfang, und da sagte Herr Pfarrer mit feierlich ernstem Tone: „Ich ermahne euch alle, die ihr hier versammelt seid, kraft meines Amtes, daß keines hinweggehe, ohne den festen Entschluß gefaßt zu haben, fortan in Gemeinschaft mit dem heiligen Geist zu treten.“ Nach der Predigt feierten wir das heilige Abendmahl. Als wir an den Altar traten, kam uns ein herrlicher Duft entgegen, denn auf dem Altar standen herrliche Blumensträuße. Ich kann wirklich Gottes Gnade und Güte nicht genug rühmen und preisen. Alle Sünden hat er mir vergeben und mich mit seinem Leibe und mit seinem Blute gespeiset und getränket. O daß ich ein Herz voll Dankbarkeit gegen ihn hätte, denn so bald vergißt der Mensch die große Güte, die ihm der Herr erzeigt hat. Der Herr Jesus wolle mir ein Herz voll Dankbarkeit und Liebe zu ihm schenken und mich zu seinem Eigentum machen, daß ich ihm nur lebe und ihm auch sterbe. ...Man darf ja nicht glauben, daß es hier weniger Gelegenheit zur Sünde gäbe. O man darf ebenso wie anderswo immer auf der Hut sein, daß nicht der Feind hereinbricht und das Herz in seine Gewalt nimmt; nur werden einem hier eher die Waffen in die Hand gegeben, ihm zu widerstehen.

 Nun will ich aber in meiner Festbeschreibung fortfahren, will mich ja doch so kurz als möglich fassen, da bald der Abendgottesdienst beginnen wird und ich bis dahin meinen Brief fertig haben möchte.

 Am Nachmittag des ersten Feiertags las Herr Konrektor eine Predigt von Herrn Pfarrer über die Epistel vor. Nach der Kirche waren wir zu Frau Pfarrer Rüger, einer recht liebenswürdigen Frau, die als Witwe mit ihrem Töchterchen hier lebt, eingeladen, und zwar tranken wir dort Kaffee (eine Seltenheit in Dettelsau). Am Abend war noch Abendgottesdienst von Herrn Pfarrer.

 Am 2. Feiertag gingen wir nach Reuth, einem Filial von hier, wo wieder eine Predigt von Herrn Pfarrer vorgelesen wurde...

Gott befohlen! Deine Therese.


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/83&oldid=2920460 (Version vom 24.10.2016)