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Ende“, sagt Herr Pfarrer. – Ja freilich sollte er kein „königlich bayerischer Pfarrer“ sein. Er spricht auch bei jeder Gelegenheit seinen Gram darüber aus. Was ist auch das für ein Unsinn! Ein Hirte, ein Diener Christi, den weltlichen Herrscher als oberstes geistliches Haupt ansehen! – Doch das kann nun aber nicht anders sein, bis einmal der Herr Seiner Kirche andere Zeiten schenkt. Aber andere Dinge können geändert werden. Genug hievon. Ich bleibe Deine Dich um Christi willen zwiefach liebende

Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 13. April 1859

 Herzliebste Mutter, jetzt ist es eine wahre Freude, vor die Fenster zu schauen und das Hämmern und Schlagen und Klopfen und Schreien der Arbeitsleute zu hören, dazu den Gärtner eifrig bestrebt zu sehen, bald möglich den Diakonissen einen Garten herzustellen, den sie bisher so schwer vermißt. Mistbeete sollen auch alsbald angelegt werden. Woher aber Geld dazu? Herr Pfarrer weiß Rat. Die sieben Fastenpredigten werden gedruckt und vermittelst sonderbarer Metamorphose in Mistbeete verwandelt. Es waltet Gottes Segen bei unserm Werk, und ich, meine liebe Mutter, ich bin recht glücklich, Mitarbeiterin an demselben sein zu dürfen. Wenn auch manchmal der Beruf ein wenig drückt, meine Grundstimmung ist doch diese.

Deine dankbare Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 18. Mai 1859

 Meine geliebteste Mutter,... Marie befindet sich im besten Wohlsein, hat auch alle Ursache, dankbar und vergnügt zu sein. Ich laß mir’s gefallen, wenn man so einen Lehrer hat wie Herrn Pfarrer, der außer dem Unterricht, den er dem ganzen Hause gibt, insonderheit der 1. Klasse sich annimmt. Ich will nur von dem deutschen Untericht reden, den er gibt. Diese Woche mußten sie einen Aufsatz machen, den er mit der größten Aufmerksamkeit korrigierte. Alles Unedle, Unweibliche und Auffällige sucht er von ihnen abzustreifen, und gar manch beichtväterliches, seelsorgerliches Wort fällt da in die

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Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/97&oldid=2951071 (Version vom 10.11.2016)