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noch ein Schächtelchen, an dem du mit der ganzen Zähigkeit deiner Seele hängst? Dann wirf es morgen fort!

 Und noch eins: wir wollen auch nicht unnötig Geld ausgeben, wollen alles, was wir übrig haben, opfern.


 Wir dürfen uns nichts, gar nichts zum Abgott werden lassen, auch unsern Beruf nicht, auch unser Mutterhaus nicht.


 Werdet recht maßvoll! Es ist etwas so Schönes um einen maßvollen Menschen.


 Kindererziehung ist in erster Linie Kniearbeit, wie jemand gesagt hat. Eine Schwester, die es nicht versteht, mit herzlichem Flehen und mit brünstiger Liebe für ihre Kinder die Kniee vor Gott zu beugen, wird wenig erreichen, was für die Ewigkeit Bedeutung hat. Aber auch für ein nützliches Leben in der Zeit sollen die Kinder erzogen werden, und dazu ist viel Treue und Weisheit nötig. Vor allen Dingen muß die treueste, gewissenhafteste Aufsicht geführt werden, und doch soll kein enges, gesetzliches Wesen und kein beständiges Hofmeistern den Kindern alle Luft und Freude am Leben verderben. Die Kinder müssen sich vor der Erzieherin geben dürfen, wie sie sind, und doch muß sie auch ihr wandelndes Gewissen sein. Da studiere dran! Erzieh ums Leben keine Heuchler, aber laß Dir auch die Autorität schenken, der gegenüber die Kinder wissen, daß von einem bewußten Ungehorsam absolut keine Rede sein darf, der sie sich unter allen Umständen beugen und fügen müssen. Die Gewöhnung an Ordnung und Reinlichkeit erfordert einen fortwährenden Kampf, aber der muß mit eiserner Konsequenz und großer Geduld gekämpft werden.


 Lieblinge der Schwestern sind oft geradezu verdorben worden, und die Schwester hat sie auf dem Gewissen.


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: So wir im Lichte wandeln. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1959, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_So_wir_im_Lichte_wandeln.pdf/37&oldid=- (Version vom 22.8.2016)