Seite:Trauriges Schicksal des P. Anianus, weiland gewesenen Lectors der Philosophie und Theologie im Capucinerkloster zu Bamberg.pdf/2

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

oder jener Gegend stehen bleiben, und seufzend denken: ach vielleicht haben die Unthiere im Kloster den Armen da in die Erde gescharrt! –

.

Was ich erzählen werde, ist wahre unläugbare Thatsache. Ungefähr 40 Jahre mag es seyn, daß obbesagter P. Anian im Capucinerkloster zu Bamberg Lector der Theologie und Philosophie war. Ich weiß nicht, wie er mit seinem Zunamen hieß, noch wo er geboren war. Er war ein Freund der Wissenschaften, und durch sein anhaltendes Studium in der Kirchengeschichte und Bibel erwarb er sich sehr große Kenntnisse im Religionsfache, und einen nicht geringen Ruf eines sehr gelehrten, und, was noch wichtiger war, recht redlichen und rechtschaffenen Mannes. Er erhielt Besuche von Katholiken und Protestanten. Aber eben dieser Ruhm, eben diese Bekanntschaften, die ihm seine damahls unter Katholiken so seltenen Kenntnisse erwarben, zogen ihm bald verschiedene Feinde auf den Hals, und diese waren seine klösterlichen Mitbrüder. Anian, der diese albernen Seelen von ganzem Herzen verachtete, bemerkte indessen doch bald, wie verschiedene seiner Mitbrüder gegen ihn gesinnet waren, und hielt es für gut, so viel er könnte, ihnen