Seite:Trauriges Schicksal des P. Anianus, weiland gewesenen Lectors der Philosophie und Theologie im Capucinerkloster zu Bamberg.pdf/4

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geboten, und ihn an Händen und Füssen mit Ketten belegten. Man brachte ihn hierauf in eine sogenannte Keuche, oder in ein unterirdisches Gewölbe, und gleich des andern Morgens erschien einer der Brüder, befahl ihm, die Kutte auszuziehen, und schlug ihn mit einer Geisel, woran eiserne Nägel und Haken angebracht waren, – so lange, bis er keinen Arm mehr heben konnte. Dieser Bruder hatte von seinen Obern den Befehl, ihn wenigstens des Tages zweymahl also zu peitschen; sonst aber dürfe er es so oft thun, als er wolle. Der Unglückliche schrie oft, dieß sind die eignen Worte des Capuciners, aus dessen Munde ich die ganze Geschichte habe, daß selbst jene Patres, die darum wußten, und anfangs dem Bruder bis an die Kerkerthüre nachgeschlichen waren, so, sage ich, schrie er oft, daß selbst das Herz dieser Tiger es nicht aushalten konnte, und sie dem Bruder oftmals zuriefen: er möge ihn nicht so gar arg schlagen, er schreye gar zu erbärmlich. Wirklich brachten sie es auch bey dem Guardian dahin, daß er die Strafe mäßigte, und dem Bruder befahl, den Verfluchten[1]


  1. Man muß nämlich wissen, daß die Mönchsobern aus dem klösterlichen Grundsatze: der Mönch habe [181]