Seite:Trauriges Schicksal des P. Anianus, weiland gewesenen Lectors der Philosophie und Theologie im Capucinerkloster zu Bamberg.pdf/5

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zwar des Tages zweymahl zu peitschen, aber statt der scharfen Geisel nur einige Stricke zur Execution zu nehmen.

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    seinem Obern seinen ganzen Willen übergeben, und nichts stehe bey ihm zu thun, als zu gehorsamen, die Folgerung machten: Wenn unsre Untergebene ganz von uns abhängen, so können wir sie auch ex plenitudine potestatis nostrae behandeln, wie wir wollen, das heißt: welchen wir in die Hölle verdammen, der kann nie in den Himmel kommen, und das aus der Ursache, weil er einzig nur das thun darf, was wir ihm befehlen. Hiezu kam denn auch noch die eigene priesterliche Löse- und Bindegewalt; und so läßt sich erklären, wenn man in der Geschichte liest: dieser oder jener unglückliche Mönch sey zur lebenslänglichen Kerkerstrafe verdammt, eingemauert, oder gar entsetzlich hingerichtet worden. Sie glaubten nicht anders, ein solcher von seinem Obern mit dem Banne belegter und aus ihrer Mitte verstossener Unglücklicher sey schlechterdings verflucht, und ein Kind des Teufels geworden. Daher gab man ehmahls solchen Schlachtopfern auch in den Ort, wohin sie eingeschlossen oder eingemauert wurden, einen Krug voll Wasser, etwas Brod, einen Hammer, Nagel, Strick und ein Messer mit, welches folgendes bedeutete: wenn du das Brod und das Wasser verzehrt hast, so hast du Hammer, Nagel und Strick, womit du dich erhängen, oder das Messer, womit du dir die Kehle abschneiden magst; du magst nun thun, was du willst, dich erhängen oder erstechen oder auch aushungern wollen, so bist du gerichtet und verdammt, und das von Rechtswegen. – Hieher gehört auch der noch in den meisten Klöstern existirende Gebrauch, daß, wenn ein Mönch an den Bischoff oder Landesherrn appelliren will, er ipso facto excommunicirt ist. Über alles dieß kann man den bekannten Criminalproceß der Franciscaner und andere Bücher mehr nachsehen.