| Unbekannt: Ueber die Dresdner Kunstausstellung (1806) | |
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in Oel gemalt von Mechau. Beide Gemälde stellen zwar Ereignisse vor: indessen ist klar, daß die Gegend in beiden das Hauptwerk ist, die Figuren aber deshalb darein verwebt sind, um vielleicht dem getheilten Interesse einen Punkt zu geben, um welchen her es sich mehr konzentriren und erhöhen könne.
Das eine stellt den Cincinnatus vor, wie er in der Nähe seiner Villa von einem Acker abgeholt wird, den er eben mit seinen Rindern pflügt. Dieser Acker liegt links auf dem ersten Plane, und grenzt berganlaufend an ein schönes Gehölz; rechts größere einzelnstehende Bäume, unter welchen Vieh weidet. Der aus der Mitte des Gemäldes den Hügel heransprengende Reiter scheint dem Cincinnatus zugerufen zu haben: denn dieser feiert einen Augenblick, und sieht sich nach dem Kommenden um; weiter unten naht eine ganze Schaar römischer Männer, noch halb versteckt von dem Thale und halb von den Baumgruppen. Aus dem Gehölze blickt rechts die Villa von einer Anhöhe herab: was man dahinter sieht ist ein fernes weites Thal, von Felsen umgeben.
Die einfache Kleidung des Römers hebt sich sehr in der bunten üppigen Vegetation: das Laubwerk ist sehr mannichfaltig, die fernen, mit Büschen bekränzten Felsen überaus romantisch und pittoresk. Ein Wetter geht unschädlich über die vordern Gruppen weg, und fällt im sanften Regen am blauen Gebirge nieder. Es scheint nicht ohne Bedeutung zu seyn, so wie überhaupt der Ton der ganzen Landschaft ernst dadurch geworden ist.
Ich weiß nicht, ob der Künstler bei diesen beiden Gemälden einem andern Gemälde oder der Natur selbst gefolgt sey, kann also auch nicht entscheiden, ob die Behandlung in dieser und jener Hinsicht treu und geistreich genannt zu werden verdiene. Aber auch ohne das wird ihre Schönheit von mir anerkannt, wiewohl ich Dir nicht verschweigen kann, daß dieses Gemälde an Anmuth und Lieblichkeit doch hinter dem folgenden steht. Indessen, wenn ich die Absicht des Künstlers recht gefaßt habe, so wird dieser scheinbare Tadel nur eben von seiner Weisheit zeugen. Denn das Ereigniß mit der Umgebung in eine harmonische Beziehung zu bringen, ist nöthig, wenn man den Eindruck nicht spalten und trüben will. Dies nun ist in beiden Stücken geschehen: in dem gegenwärtigen ruht ein ernster Himmel über der Erde, der aber baldige Heiterkeit zusagt, die Bäume und Berge verhüllen fast überall so, daß der Blick sich genöthigt fühlt, zu verweilen, selten vordringen kann, und nicht fortgezogen wird in die Ferne. Denn es ist eine wichtige Begebenheit, die sich ereignet, wozu man sich sammlen muß, eine ernste Sache, die unter Männern verhandelt wird; und man könnte wohl sagen, daß sich selbst Geist und Sinn der Landschaft zu dieser Stimmung bequemt
Unbekannt: Ueber die Dresdner Kunstausstellung (1806). Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1806, Seite 101. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ueber_die_Dresdner_Kunstausstellung_(1806).djvu/3&oldid=- (Version vom 20.3.2025)