Seite:Unter den Muka Lari-Zwergen.pdf/25

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

hätte mit den Muka Lari ganz freundschaftlich verkehrt. Man zweifelte ganz allgemein an der Existenz dieses Stammes kleiner Menschen inmitten der Einöden dieser riesigen Halbinsel, warf Malfeat vor, seine Beschreibung der Muka Lari an den Lagerfeuern der Beduinen gesammelt zu haben und nahm daher an, daß auch anderes, was er als erster in Arabien entdeckt haben wollte, blanker Schwindel sei. Vieles hat er sich tatsächlich aus den Fingern gesogen oder doch gewaltig übertrieben, wie ich selbst nachgeprüft habe. Jetzt sehen wir, daß er hinsichtlich der Muka Lari nicht gelogen hat, denn er berichtet, ihre Hauptwaffe sei eine Steinschleuder, und beschreibt ihre Kleidung und Haartracht genau ebenso, wie wir sie hier an diesem schon recht bejahrten Manne vor uns sehen, der ein Häuptling oder Priester sein dürfte, da er die Geierschnäbel im Haar trägt, die der phantasievolle Brite ebenfalls erwähnt. – – Da – haben Sie’s bemerk, unterbrach er sich plötzlich, „der Zwerg hat soeben wieder die Augen etwas geöffnet.“

Pinkemüller hatte nur zu sehr mit dieser Beobachtung recht, – denn mit einem Male schnellte der Zwerg sich auf die Füße, riß sein Steinmesser aus dem Gürtel und … – Ja, er hatte damit nach dem kleinen Doktor stoßen wollen, – nur wollen …! Treff war ihm nämlich mit langem Satz gegen die Brust gesprungen, hatte ihn nach hinten über geworfen und ihn dann in den rechten Unterarm gebissen, so daß der Zwerg das Messer mit einem Schmerzensschrei fallen ließ.

Der Muka Lari wurde jetzt gefesselt. Dann kniete Traugott Pinkemüller neben ihm nieder und reinigte und verband ihm die Bißwunde, gab ihm auch zu trinken und machte ihm sogar den linken Arm frei, damit der Gefangene etwas Dörrfleisch verzehren konnte.

Der Zwerg nahm diese Liebesdienste mit einem Gesicht hin, das in jeder Falte geradezu fassungsloses Staunen über so viel Menschenfreundlichkeit ausdrückte. Als der Doktor ihm nachher wieder den linken Arm vorsichtshalber auf den Rücken fesseln wollte, schüttelte er mit freundlichem Grinsen sehr energisch den Kopf, machte allerlei

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Unter den Muka Lari-Zwergen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Unter_den_Muka_Lari-Zwergen.pdf/25&oldid=- (Version vom 1.8.2018)