Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/177

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XVII.
Die Ludki.

1.

Die Wenden stammen von den Ludkis ab, diese aber sind ganz kleine Menschen gewesen, nicht länger als ein Finger. Die Ludki mäheten, wenn das Korn herangereift war, dasselbe nicht ab, sondern stachen die Aehren mit einem Pfriemen vom Halm los. Die Aehren selbst draschen sie in einem Backofen. Da die Ludki so klein waren, konnten sich im Backofen immer ihrer neun an die Arbeit machen.

Die Zeit ist wohl schon lange her, wo dieses Alles war, aber man sagt, es wird wieder eine Zeit kommen, in welcher die Wenden wieder so klein wie ein Finger werden.

Ströbitz.     
2.

Die Ludki sind kleine Leute mit einem grossen Kopf gewesen. Wenn sie etwas genau sehen wollten, so blickten sie stieren Auges den Gegenstand an.

Mischen.     
3.

Hatten sich die Ludki ein Backfass geborgt, so kollerten es ihrer zwanzig vor sich her.

Pulsberg.     
4.

Die Ludki betrieben die Ackerwirthschaft nicht selbst. Deshalb schnitten sie zur Erntezeit den Bauern die Aehren vom Getreide ab. Wenn diese mähen wollten, fanden sie auf dem Felde nur lange Stoppeln.

Mischen.