Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/182

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sich auf den Rasen nieder, nahm sein Messer und schnitt und ass den Kuchen aus der Mitte, den Rand jedoch liess er ganz. Dann nahm er einen Strohhalm und trank durch diesen die Flüssigkeit im Kruge, ohne denselben an den Mund zu bringen. Mit dem Schlage zwölf erschien der Ludk wieder, raffte den Kuchenrand und den Krug hinweg und rief: „Das hat Dir der Teufel gerathen!“ Darauf lief er davon.

Tschelln.     
23.

Wenn die Ludki, welche in einem Berge bei Ruben wohnten, sich ein Backfass leihen wollten, so kamen ihrer stets vier oder fünf. Erhielten sie dasselbe, so setzten sie sich hinein, und dann rollte das Backfass von selbst aus dem Dorfe dem Berge zu. Ebenso kam es von selbst wieder angerollt, wenn sie es zurückschafften.

Ruben.     
24.

Die Ludki waren kleine, böse, diebische Leute, welche in der Erde wohnten. Wenn einer von ihnen gestorben war,so verbrannten sie den Leichnam, schütteten die Asche in ein Gefäss und vergruben dasselbe. Dabei weinten sie sehr; sie liessen ihre Thränen in kleine Gefässe fallen, welche sie dann auch vergruben. Aber den Schall der Glocken konnten sie nicht vertragen, deshalb suchten sie dieselben zu zerstören. So schleppten sie einst, weil sie von grossen Kräften waren, einen mächtigen Stein herbei, um die Glocken in Gross-Buckow zu zertrümmern. Die Bewohner des Dorfes sahen sie damit ankommen. In ihrer Noth läuteten sie die Glocken. Dadurch wurde die Macht der Ludki gebrochen; diese liessen den Stein fallen und verschwanden auf immer aus der Gegend.

Gross-Döbern.     
25.

In Gollscho bei Drebkau lebten früher in einem Hügel, welcher Ludkowa gorka heisst, kleine Leute. Diese kamen in der Nachtzeit gern in die Häuser der Menschen, besonders um darin eine Hochzeit zu feiern. Geschah dies, so brachten sie ihre Musikanten mit. Was von den Speisen bei der Mahlzeit