Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/187

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41.

Das Volk, welches in alten Zeiten den Spreewald bewohnt hat, sind die Ludki gewesen. Diese waren nicht gross, aber auch nicht gerade klein, sondern untersetzt und vierkantig. Man sagt, dass sie in allen Künsten erfahren gewesen sind. Sie pflegten sich in Höhlen unter der Erde aufzuhalten und kamen nur selten an die Oberwelt: ihr König aber bewohnte ein Schloss, welches auf dem Schlossberge in Burg stand. Von dort aus machte er Streifzüge weit in das Land hinein. Oft pflegte er nach Burg zu gehen; deshalb hatte er sich dorthin eine Brücke bauen lassen, welche ganz aus Sohlenleder gefertigt war. Wenn er darüber schritt, so rollte sie sich von selbst hinter ihm wieder auf.

Später sind die Ludki von den Wenden verdrängt worden.

Straupitz.     
42.

Die Ludki sollen in alten Zeiten täglich auf dem Schlossberg bei Burg aus- und eingeritten sein.

Straupitz.     
43.

Vor dem Berliner Thore bei Lübben liegen die Ludkiberge. Die alten Leute erzählen, es hätten dort kleine Männchen gewohnt, welche einen König gehabt hätten, der dort auf dem Berge Gericht gehalten habe.

Lübben.     
44.

In Berge bei Forst giebt es mehrere Familien Sandmann. Man sagt, dass hinter ihren Scheunen sich die Ludki den pflügenden Landleuten noch gezeigt haben, als sie sonst überall bereits verschwunden waren.

Berge.     
45.

In dem Dorfe Koine bei Forst sind zwei Ludki noch im Jahre 1861 und zwar des Mittags von zwölf bis ein Uhr gesehen worden. Es waren aber ein kleiner Mann und eine kleine Frau. Da diese zur Hochzeit gewesen waren, so hatten sie Feierkleider an: das Männchen war mit einem rothen Rock bekleidet und einer weissen Hose, auf dem Kopfe trug es