Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/191

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58.

Ein Bauer pflügte einmal auf dem Ludkiberge bei Reichersdorf. Er liess den Pflug etwas tief gehen. Da stand plötzlich ein Ludk, ein kleiner, kaum einen Fuss hoher Mann, vor ihm. Der Ludk hatte einen langen, grauen Bart und sagte zu dem erstaunten Bauer: „Lieber Mann, lass doch Deinen Pflug nicht so tief gehen, Du zerstörst ja unsere Wohnungen. Wenn Du nicht so tief pflügst, so erhältst Du dafür morgen ein Stück Kuchen, denn wir backen heute gerade.“

Der Bauer ging auf den Wunsch des Ludk ein und pflügte nicht mehr so tief. Als er am andern Morgen auf das Feld kam, fand er wirklich ein Stück Kuchen, dasselbe schmeckte aber so nach Asche, dass er es wieder wegwarf.

Reichersdorf.     
59.

Einst pflügten zwei Bauern ihren Acker mit Ochsen. Als es Mittag geworden war, hatten sie grossen Hunger bekommen. Sie hatten jedoch auf das Feld nichts zu essen mitgenommen; so konnten sie ihren Hunger nicht stillen. Da sprachen sie, als sie, am Endes ihres Ackers, bei einem wasserlosen Graben angekommen waren: „Wenn doch die Ludki kämen und uns einen Kuchen brächten.“ Darauf pflügten sie weiter. Als sie wieder zur Stelle kamen, sahen sie einen Kuchen und dabei lag ein Messer; dazu hörten sie eine leise, schwache Stimme, welche sprach: „Esset aber den Kuchen lasst ganz.“ Erst wussten die Bauern nicht, wie sie das anfangen sollten, endlich aber fiel ihnen das Richtige ein: sie schnitten von dem Kuchen die Mitte heraus und assen sich daran satt, den Rand aber liessen sie ganz. Darauf pflügten sie weiter; als sie wieder an die Stelle kamen, war Alles verschwunden.

Forst.     
60.

Als die Madlower ihre Kirche bauen wollten, liess der Missionar die Steine an den Wiesenteich fahren, wo die Kirche erbaut werden sollte. Allein in jeder Nacht wurden die Steine, welche bei Tage herangeschafft waren, stets von den Ludkis auf einem Wagen mit Ochsen bespannt an die