Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/195

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fragte der Oberste der Ludki das Mädchen, ob dasselbe ihn zum Mann haben wollte; das Mädchen sagte „Ja.“ Da sprach ihr Bruder: „Wir wollen doch unsere Mutter auch herholen und dann Hochzeit machen.“ Alle waren damit einverstanden.

Nun machten sich die beiden Kinder auf; die Ludki gingen mit ihnen durch den Wald, am Rande des Waldes aber blieben sie zurück und sprachen zu den Kindern: „Holt Eure Mutter jetzt hierher, wir werden hier so lange warten, bis Ihr wiederkommt.“ Den andern Tag kamen die Kinder zu ihrer Mutter, welche geglaubt hatte, sie wären gestorben; darum war ihre Freude gross, dass sie noch lebten. Die Kinder erzählten, wie es ihnen ergangen sei; die Mutter war damit einverstanden, dass ihre Tochter den Obersten der Ludki heirathe.

Darauf gingen alle drei bis an den Wald, wo die Ludki gewartet hatten, dann eilten Alle zusammen voller Freuden nach dem kleinen Hause. Am dritten Tage war die Hochzeit, die Vögel im Walde sangen dazu ihre Lieder. Fortan lebten sie glücklich miteinander. Am allermeisten aber freute sich die alte Mutter, dass sie jetzt so gute Tage habe, und dass ihre Tochter die Frau eines so reichen Fürsten geworden sei.

Kalkwitz.     
64.

Im Schlosse von Alt-Döbern wohnte im vorigen Jahrhundert die Familie von Heynicke. Eines Nachts schlief die Frau von Heynicke in ihrem Schlafzimmer. Plötzlich wurde sie durch ein Geräusch erweckt, ihr gegenüber in der Wand that sich eine Tapetenthür auf, von der sie früher nie eine Spur bemerkt hatte, ein kleines Männchen trat daraus hervor und winkte ihr mit ängstlicher Geberde, sie solle ihm folgen. Sie aber kam nicht. Da winkte das Männchen ihr noch einmal, mitzukommen, aber die Frau von Heynicke ging wieder nicht. Da verschwand das Männchen.

Plötzlich erschien das Männchen zum zweiten Male und winkte noch ängstlicher als zuvor. Doch Frau von Heynicke ging wieder nicht. Endlich öffnete sich die Thür zum dritten