Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/197

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mit einem rothen Käppchen auf dem Kopfe kam aus dem Loche zum Vorschein. Der Ludk kletterte aus dem Loche heraus und setzte sich zu den Füssen der erschreckten Köchin nieder. Da fragte die Köchin: „Was willst Du von mir?“ Der Ludk sprach: „Fürchte Dich nicht, Du sollst weiter nichts, als in meinem Hause Gevatter stehen; in drei Tagen werde ich Dich abholen; das wird zu Deinem Glück sein.“ Als der dritte Tag gekommen war, putzte sich die Köchin und setzte sich in die Küche hin, um auf das Männchen zu warten. Sie hatte ihr Nähkörbchen noch in der Hand, als das Männchen plötzlich vor ihr stand und sagte: „Jetzt ist es Zeit, wir müssen gehen.“ In der Eile vergass die Köchin ihr Körbchen wegzustellen; sie behielt es in der Hand und ging damit fort. Der Ludk und die Köchin kamen in den Keller. Hier musste wohl die Wand sich geöffnet und so einen Durchlass gewährt haben, denn plötzlich stand die Köchin in einem erleuchteten Raum, welchen sie früher niemals im Hause gesehen hatte. Verwundert blickte sie um sich: sie sah lauter kleine Gestalten. In einem Himmelbettchen lag ein ganz kleines Kind. Da erscholl auf einmal eine wunderschöne Musik. Die Ludki brachten der Köchin zu essen und zu trinken, dann legten sie ihr das Kindchen auf den Schooss. Jetzt begann in dem Gemache eine Freude und eine Lust, wie die Köchin noch nie gesehen hatte. Zuletzt kam ein alter Ludk und legte der Köchin zwei Goldstücke in ihr Körbchen.

Dann kam derselbe Ludk wieder, welcher die Köchin geholt hatte, fasste dieselbe bei der Hand und führte sie bis zur Kellerthür. Darauf sprach er: „Ich werde bald wieder zu Dir kommen, dann sollst Du mir erzählen, was die Menschen treiben.“

Die Köchin kehrte in ihr Gemach zurück. Am nächsten Abend erschien der Ludk; die Köchin setzte ihm ein Schüsselchen mit Hirse vor und sprach mit ihm. Darauf stellte die Köchin fast jeden Abend, so oft der Ludk kam, ein Schüsselchen mit Hirse auf den Kamin; das Männchen nahm dasselbe jedes Mal mit. Einst dachte die Köchin: Du willst doch Dein Pathchen beschenken. Sie nähte für das Kindchen ein rothes Röckchen und ein Käppchen. Als sie damit fertig war, legte sie das Röckchen und das Käppchen