Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/200

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72.

Die Ludki flohen, da sie das Glockenläuten nicht ertragen konnten, von Land zu Land, bis sie über das mittelländische Meer nach Afrika kamen.

Cottbus.     
73.

Die Ludki sind aus Forst durch das Geläute der Glocken vertrieben worden. Von der Stadt zogen sie auf den Galgenberg, von dort auf den Marienberg bei Kölzig, doch auch von dort vertrieb sie das Glockengeläut.

Als sie vom Marienberg wegzogen, haben sie ihre Kostbarkeiten, einen goldenen Tisch und sonstige goldene Geräthe in einem Thale nahe bei Gross-Kölzig vergraben. Noch heute färbt sich in diesem Thale das Gras gelb von den Kostbarkeiten, welche daselbst vergraben sind. Gefunden ist aber von diesen Kostbarkeiten noch nichts, so viel man auch an Ort und Stelle nachgegraben hat.

Berge.     
74.

In Koine liegt am Ende des Dorfes ein Berg, in welchem ein tiefes Loch ist. Dieses Loch heisst die Ludki-Höhle. Man hat in der Höhle nachgegraben und gefunden, dass weisser Sand in derselben gestreut gewesen ist, sonst aber hat man dort bis jetzt nichts von den Ludkis gefunden, obgleich man weiss, dass dort von ihnen ein Schatz vergraben ist.

Koine.     
75.

Auf der östlichen Seite der Stadt Lübben liegt eine Reihe ziemlich hoher Berge, welche die Brautkrone heissen. Da soll vor alten Zeiten eine heidnische Festung gewesen sein; früher haben die Leute dort auch sehr schöne Urnen oder Ludkitöpfe mit Knochen darin gefunden: also müssen die Ludki dort einen Begräbnissplatz gehabt haben.

Lübben.     
76.

Ein Mädchen graste in einem Grunde mit der Sichel. Da geschah es, dass sich fortwährend ein feiner, seidener