Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/206

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
4.

Einstmals wollten aus Dissen Bauern ihren Verwandten in Straupitz einen Besuch abstatten. Als sie auf den Knüppeldamm kamen, welcher den Koblosee entlang führt, kam ihnen ein Junge von neun bis zehn Jahren athemlos entgegen gelaufen, welcher von einem Männchen verfolgt wurde. Das Männchen hatte Beine so dünn, wie eine Mohrrübe, auf dem Kopfe trug es ein rothes Mützchen. Als das Männchen die Bauern erblickte, sprang es flugs in den See und war verschwunden. Die Bauern hatten den Knaben gerade noch zur rechten Zeit von der Verfolgung des Nix befreit.

Dissen.     
5.

Unfern von Laasow ist ein Sumpf, in welchen ein Graben einmündet. In diesem Sumpfe und Graben hält sich ein Nix auf. Einmal ist ein Junge dem Sumpf zu nahe gekommen: alsobald ist der Nix dagewesen und hat ihn zu sich hinabziehen wollen. Ein Bauer hat das glücklicher Weise gesehen, ist herzugelaufen und hat den Knaben festgehalten. Da haben Bauer und Nix den Knaben hin- und hergezogen, bis es dem Bauer, weil er stärker war, gelungen ist, den Knaben zu retten. Er hat denselben glücklich nach Hause gebracht, aber der Knabe ist unmittelbar darauf gestorben.

Branitz.     
6.

Die Nixe, welche sich in dem See bei Steinitz aufhielten, wurden nie den Kindern der Wenden gefährlich, sondern sie zogen nur die Kinder der Deutschen in den See hinab.

Steinitz.     
7.

Die Nixen sitzen am Wasser und singen; sie werden kleinen Kindern nicht gefährlich, nähert sich ihnen aber ein Erwachsener, so fragen sie ihn: „Was hast Du zu bezahlen?“ Antwortet er nicht sogleich und reicht er ihnen kein Geld hin, so ziehen sie ihn in das Wasser hinunter.

Sylow.