Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/215

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32.

Die Nixen haben früher oft in den Wassermühlen die Mühlsteine aufgehalten: sobald der Müller ihr Vorhaben merkte, und das geschah, wenn die Steine anfingen zu quitschen, warf er eine Ente, ein Huhn oder ein Brod zwischen die Steine, um die Nixen zu beruhigen; ein Brod aber nur dann, wenn nichts Lebendes bei der Hand war. War das geschehen, so liessen die Nixen die Mühle wieder eine Zeit lang in Ruhe.

Branitz.     
33.

In einem Dorfe bei Vetschau war ein Müller, der hatte alle Nächte den Nix in seiner Mühle und hätte ihn doch gern daraus vertrieben, denn derselbe richtete viel Unfug in den Mehlgängen an. Der Müller konnte aber anfangen, was er wollte, ihn zu vertreiben, Alles war vergebens, ja allnächtlich kochte sich der Nix auf dem Kamin eine grosse Menge Fische. Durch sein Thun und Treiben vertrieb er schliesslich die Leinölschläger aus der Mühle.

Eines Tages kam ein Bärenführer mit einem grossen Bären nach dem Dorfe, welches dicht bei der Mühle lag. Niemand im Dorfe wollte ihn und seinen Bären beherbergen. Der Bärenführer kam bis zur Mühle und fragte den Müller, ob er ihn und seinen Bären auf eine Nacht aufnehmen wolle. Der Müller sagte: „Ja, ja, Ihr könnt hier bleiben, aber den Bären wollen wir in der Mühle anbinden.“ Und so geschah es. In der Nacht kam der Nix wieder und kochte seine Fische, der Bär aber roch dieselben, ging hinzu, langte mit seiner Pfote in den Kessel, und nahm sich einen Fisch aus demselben. Der Nix schlug den Bären derb auf die Pfote. Der Bär aber kehrte sich nicht daran, sondern langte nach kurzer Zeit zum zweiten Male nach einem Fisch. Der Nix schlug wieder nach ihm. Da wurde der Bär ärgerlich, sprang auf ihn zu und zerkratzte ihn tüchtig. Darauf lief der Nix davon und sprang in die Mühlgrube. Den andern Morgen ging der Bärenführer mit dem Bären fort; der Nix kam gleich darauf zum Müller und sagte: „Was habt Ihr für eine grosse Katze?“ „Ja,“ antwortete der Müller, „die habe ich mir angeschafft;