Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/350

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der Betreffende dann bis zu einem gewissen Baume getragen, so war sie stets vom Rücken verschwunden.

Einstmals ging ein Mann bei dem Garten vorüber. Auch ihm sprang die Gestalt auf den Rücken. Er wusste nicht, dass er sie nur bis zu einem gewissen Baume tragen müsste, deshalb schlug er nach ihr. Da aber wurde die Gestalt böse, schlug ihn wieder und traf den Mann so, dass er mit dem einen Auge blind wurde. Die Gestalt blieb auf dem Rücken des Mannes bis an dessen Wohnung, ja sie trat mit in die Stube ein und blieb am Bett stehen. Der Mann wurde schwer krank und entging mit Mühe dem Tode.

Pritzen.     
8.

In der Nähe von Alt-Döbern hauste früher ein kleiner Mann, welcher den Vorübergehenden auf den Rücken sprang. Wem das geschah, der musste ihn ruhig tragen. Einst sprang er einem Leinweber auf den Rücken. Er liess sich von diesem eine bestimmte Strecke tragen, wie er das immer zu thun pflegte, dann verschwand er plötzlich. Der Leinweber hatte ihn nicht tragen wollen, er hatte auf alle Weise versucht, ihn abzuschütteln. Dafür rächte sich der kleine Mann, denn am dritten Tage, nachdem dies geschehen, war der Leinweber todt.

Alt-Döbern.     
9.

Einem Nachtwächter in Sandow war seine Frau gestorben, er aber wusste es nicht, da er im Augenblick des Todes seiner Frau im Dienste war. Auf seinem Heimwege war es ihm, als trage er eine schwere Last auf dem Rücken. Er fühlte sich erst erleichtert, als er seine Schwelle betrat. Da fand es sich, dass seine Frau gestorben war. Als er sein Begegniss einer klugen Frau erzählte, sagte ihm diese, er habe seine todte Frau getragen.

Sandow.     
10.

Noch vor etwa zwanzig Jahren hauste hinter der heutigen Stadtmühle ein grosser, schwarzer Hund. Es hatte mit diesem Hunde eine eigene Bewandtniss, denn derselbe