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Was dann Besorgniß heißt und Leid

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Ist Hoffnung, die sich ihnen beut.

Kein Freund empfindet solch Behagen
Wie selbst ein Feind, vorherzusagen
Ein Mißgeschick, wie sehr er auch
Beachten mag der Freundschaft Brauch,

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Und täglich sich nach dem Befinden

Erkundigt. Wird der Diener künden,
Herrn Swift geht’s täglich schlimmer jetzt,
Wird er weit mehr dadurch ergötzt,
Als müßt’ er hören: Gott sei Dank,

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Swift ist allein noch grillenkrank.

Wer dann am besten als Prophet
Sich hier erwies, sagt sehr diskret:
Das Schlimmste, was man fürchten kann,
Sagt’ ich voraus von Anfang an.

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Ein solcher Herr zieht meinen Tod,

Dem Fall vor, daß gesund und roth
Ich seinem Scharfsinn Schande mache.
So geht’s mir jetzt. In einer Sache
Stimmt jeder Freund schier überein:

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Swift muß sehr bald begraben sein.

Doch sollt’ auch gar ein Fremder leiden
An Schmerzen, die mich jetzt durchschneiden,
Mit wie viel Inbrunst würd’ er beten
Für meine Bessrung, würde treten

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Theilnehmend an mein Lager hin,

Erforschend wie ich vom Beginn
Der Krankheit an Diät gehalten,
Wodurch Erleichtrung ich erhalten;
Mein Tod auch gäb’ ihm größre Pein,

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Wie Allen, die mein Bett umreihn,
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift übersetzt von Franz Kottenkamp: Verse auf Swift’s Tod. Scheible, Rieger & Sattler, Stuttgart 1844, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Verse_auf_Swift%E2%80%99s_Tod-Swift-1844.djvu/3&oldid=- (Version vom 1.8.2018)