Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/11

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Den 31ten Juli 1827.


Du bist wegen zu großer Entfernung meiner Einladung zu der mit Ablauf der vorigen Nacht beendigten 3ten Säcular-Feier von Marburgs Philippina nicht gefolgt. Deßwegen muß ich Dir, wie ich Dir auf diesen Fall versprochen, so sehr mir auch der in quali et quanto[1] verschluckte Göttertrank des Rheins die Finger noch in zitternder Bewegung hält (denn heute ist der erste Ruhetag und ich bin schon wieder in meinem Philisterio[2]) weil mir die Scenen noch alle frisch vor den Augen schweben, eine umständliche Beschreibung von diesem merkwürdigen Feste schicken.

     Von den Einzelnheiten mußt Du Dir dann das Ganze und Große in Deiner mir bekannten lebhaften Einbildung selbst zusammenstellen, weil’s durch Beschreibung unmöglich ist, - und um Dir das Bild als Wirklichkeit vor die Augen zu bringen, muß ich Manches in der kräftigen Burschen-Sprache, die uns Alten, angesteckt durch die Jungen, die 4 Tage und 4 Nächte hindurch wieder recht geläufig wurde, - ausdrücken.

     Das Zusammenströmen der Fremden hatte schon vom Anfange der vorigen Woche an begonnen, - aber am Freitage, dem Tage vor der Feier, war’s über alle Vorstellung, - und als ich um 7 Uhr Morgens ins Elisabether Thor[3] trat und vor unsere alte Kneipe, die Krone[4] (Ockershausen[5] seeligen Andenkens) kam, war die mit Kutschen und anderem Menschenfuhrgeschirr wie eine Wagenburg umgeben, und im Innern kein Nest mehr leer.

  1. in Güte und Menge
  2. bürgliches Leben (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.19.)
  3. befand sich bis 1830 zwischen der Elisabethstraße und dem Ketzerbach [[1]]
  4. Gasthaus, welches sich am Ketzerbach 1 befand (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.19.)
  5. ehemaliger Besitzer der Krone, mindestens von 1785 bis 1810 (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.19.)