Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/18

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     Während diese Herrn sichs da oben gut schmecken ließen, verliefen wir Alten und Jungen, die wir nicht bei hiesigen Freunden engagirt[1] waren, uns in die verschiedenen Wirthshäuser an die tables d’hôte.[2]

     Daß wir es uns hier auch an nichts fehlen und manches Vivat erschallen ließen, daß der Zirkel jeder Tafel durch einen allgemeinen Schmolles in eine Brüderschaft zusammenfloß, daß hier noch manche Scene durch Erinnerung an die alten Zeiten vorfielen, kannst Du Dir leicht denken. Dort riefs: da ist ja auch der alte Pump[3], - hier wurde gefragt: hast Du auch das Quentchen[4] gesprochen? weißt Du noch, wie er jedesmal in den Ferien in einem Futter per pem[5] nach Cassel lief. Dort fragte wieder einer seinen Nachbar: erinnerst Du Dich noch des göttlichen Rindviehes! er ist hinüber! und dergleichen drollige Fragen und Anreden mehr.

     Nach aufgehobener Mittagstafel trieb man sich in vielen großen Trupps in der Stadt umher. Wer da nicht in das große in der lutherischen Kirche aufgeführte und so vortrefflich executirte[6] Concert gieng, der gieng, wie gestern Abend, wieder nach Pfeiffers Garten. Das Ganze war ein Dacapo[7] von gestern, nur durch sein Finale etwas stärker ausgeführt.

     Gegen 9 Uhr versammelten sich die jungen Burschen zum Fackelzuge außerhalb dem Grünen Thore, und zogen dann mit Musik durch die Untergasse, bei der Reitbahn[8] herauf, durch die Barfüßer Straße, über das Markt hin, durch die Wettergasse bis auf die Mitte des Steinweges, und nachdem sie da ihrem in dem Hille’schen Hause wohnenden Prorector, Dr. und Professor Busch, der aller Burschen Liebe für sich hat, ein 3 maliges Lebehoch aus innigstem Herzen gebracht, gieng der Zug wieder zurück auf’s Markt zum Verbrennen der Fackeln, wobei es denn eben so feierlich hergieng, wie zu unserer Zeit, nur das diesmal statt

  1. eingeladen (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)
  2. Mittagstafeln (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)
  3. Pumpel im Schweizerdeutschen für eine kleine, dicke Person[[1]]
  4. eventuell ein Spitzname, der Leichtgewicht bedeutet (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)
  5. zu Fuß (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)
  6. vorgeführte (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)
  7. eine Wiederholung
  8. ehemalige Reithalle der Universität an der Barfüßerstraße 1/Ecke Am Plan (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.33.)