Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/19

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des alten Gaudeamus igitur, etc.[1] - aus welchem der 2te Vers: ubi sunt, qui ante nos etc.[2] hier sehr gepaßt hätte, - ein von einem gewissen Studio Wolf[3] aus dem Fuldaischen gedichteter und so göttlich gelungener Rundgesang nach der jetzigen Lieblings-Melodie “Hoch vom Olymp etc.” abgesungen wurde. Die Philister hatten dem Feste und den Burschen zu Ehren ihre Häuser illuminirt[4].

     Nach Beendigung des Fackelbrandes zog alles nach dem Kämpfrasen, wo die Burschen von Seiten der Universität mit Speisen und Wein vollauf regalirt[5] wurden.

     Es war ein schöner Anblick, während die Bursche an ihren, mit Lampen-Pyramiden beleuchteten Tischen aßen, tranken und sangen, - die anderen Menschen in den breiten Zwischenräumen lustwandeln zu sehen und mit in deren Gesänge einstimmen zu hören. Wurde nur irgend ein Bekannter von ihnen bemerkt, gleich wurde er herangezogen und mußte nolens volens[6] mittrinken, so daß am Ende viele von uns Alten und auch mehrere ihrer eigenen Lehrer unter ihnen saßen. Daß sich dadurch originelle Scenen entspannen, ist leicht zu begreifen. An einigen Tischen gabs kleine Commerse und wir Alten commersirten mit, - leere Bouteillen und Gläser, wenn sie nicht von den Aufwärtern schnell weggenommen wurden, giengen als ärgerlicher Gegenstand in ihr Nichts über.

     Nicht Ein Exceß, der das Ganze gestört hätte, fiel vor.

     Es war nun schon Nachmitternacht, und was nicht nach der Stadt strömte, das zog hinüber nach Pfeiffers Garten, wo es gedrängt voll war.

     Nach einer Verabredung von gestern Abend wollten wir Alten unter uns einen förmlichen Commers halten, es war aber noch nicht bestimmt, wann und wo.

  1. altes Studentenlied (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.35.)
  2. Wo sind sie (geblieben), die vor uns auf der Welt waren?
  3. Kilian Wolf, Doktor der Philosophie und Gymnasiallehrer in Fulda (Losch-Berlin: Artikel im "Hessenland" Vol. 10 (1926), S..215[[1]])
  4. festlich beleuchtet [[2]]
  5. bewirtet (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.35.)
  6. wohl oder übel