Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/20

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     Ich höre auf einmal oben auf dem Saale ein fürchterliches Getöse und erfahre, daß sich die Alten zusammengerottet hätten und an 2 Tafeln auf dem Saale flott darauf los commersirten.

     Aergerlich, nicht Theil daran genommen zu haben, gehe ich hinauf, und eben beim Eintritt – Himmel! welch ein Anblick! - endete der Commers und alle Bouteillen und Gläser nahmen ein schreckliches Ende.

     Der Bruder Präses[1] an der einen Tafel, der letzte Mann auf dem Platze, den Schläger[2] noch immer vor sich auf dem Tische, wollte sich ob dieser Zerstörung tod lachen, blieb steif sitzen, als sich die übrigen Commers-Brüder verloren, und ich zog auch ab.

     Ein mitcommersirt gehabter alter Bursch hatte folgendes Abentheuer. Er war von seinen Kumpans abgekommen, geht aus dem Garten hinaus, um links ab nach der Stadt zu gehen. In seinem Zustande war aber links rechts, und rechts links geworden, zieht sich daher rechts, kommt auf die über den Kämpfrasen ziehende Chaussée, geht auf derselben rechts fort bis vor Gisselberg[3]. Hier ist noch Licht in einem Hause, er klopft an und fragt: wo komme ich denn nach dem deutschen Hause? (er kneipte nämlich daselbst) - erhält aus dem Fenster zur Antwort: da müssen Sie erst nach Marburg und dann durch die ganze Stadt bis jenseits! - Jetzt wird er seines Irrgangs gewahr, - und wankt nun auf der Chaussée zurück und kommt gegen Morgen im Deutschen Hause an!

     Ich hatte einen alten Bruder Pastor von weit her am Arm, der mich bat, ihn nach Haus zu bringen, er wisse aber seine Kneipe nicht, nur die Straße. Ich zog mit ihm ab.

     Es war wieder 2 Uhr Nachmitternacht, ich schob mich nach Haus auf meine Kneipe[4], legt mich wüste aufs Ohr und somit das 2te Tagewerk vorüber.

  1. der (Alt-)Student, der das Gelage leitet (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.37.)
  2. studentische Hiebwaffe (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.37.)
  3. Ortsteil von Marburg, im Südwesten der Stadt
  4. hier: Unterkunft (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.37.)