Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/21

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     Daß viele Hunderte noch da blieben und bis an den hellen Tag jubelten, daß in allen Wirthskneipen noch alles in lebendiger Bewegung war und blieb, - war Sache für sich.

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     Den folgenden Sonntag Morgen war in der Deutschhaus- und Lutherischen Kirche[1] um 7 Uhr Gottesdienst. Nach Beendigung desselben fing man, um sich zu restauriren[2] in den Wein- und Conditorhäusern wieder damit an, womit man in der vergangenen Nacht aufgehört hatte, - nach dem bekannten: vom vorigen Rausche zufrieden, schon auf den zukünftigen bedacht! etc.

     Darauf versammelte man sich wieder, wie gestern, gegen 9 Uhr in und vor der Elisabether Kirche zum 2ten feierlichen Zuge nach der Universitäts-Kirche, der heute mit Glockengeläute begleitet wurde.

     Des zuschauenden Volkes war noch einmal so viel wie gestern. Bei keinem anderen feierlichen Ereignisse wird je wieder bis zum künftigen Jubiläum eine solche Menschen-Menge in dem alten, geschichtlich merkwürdigen Marburg zusammen kommen.

     Nach beendigter Kirchen-Feier, die durch ein kräftiges Singchor mit Instrumental-Musik, unter Leitung des musikalisch-enthusiastischen Cantors Beck[3], erhöhet wurde, giengs wieder ins große Auditorium, wo, nach gehaltenen Reden, mehrere Promotionen vorfielen, und damit die Vormittags-Feierlichkeit geschlossen.[4]

     War’s gestern ein Menschengetreibe auf den Straßen, so war’s heute ein beinahe undurchdringliches Gedränge, denn die Plebejer[5], jetzt Kaffern[6] genannt, aus der ganzen Umgegend hatten sich, weil’s Sonntag war, zur Stadt gezogen, - und an Fremden waren die ganze vorige Nacht hindurch und den ganzen Vormittag noch sehr viele angekommen, so daß in den 4 ersten Gasthäusern alle tables d’hôte dicht besetzt, und

  1. Kirche in der Oberstadt
  2. um neue Kraft zu sammeln (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.39.)
  3. Nicolaus Beck[[1]], Musikdozent an der Universiät Marburg[[2]] sowie Kantor bis mindestens 1839[[3]]
  4. Der Gesang dieses Tages wurde schriftlich festgehalten und in Wikisource transkribiert: Gesang am dritten Säkular-Jubelfeste der Universität zu Marburg, den 29. Julius 1827 in der akademischen Kirche gesungen
  5. lateinisch für gewöhnliche Bürger
  6. rotwelsch für dummer Kerl/Bauer, vom jiddischen Wort Ka(f)fer