Seite:Vier Tage und vier Nächte auf dem dritten Säcular-Feste in Marburg vom 27ten bis 30ten Juli 1827.pdf/26

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den bunten Reihen der Länge nach hindurch, wie da alles in thätiger Bewegung war.

     Aber gegen Abend stiegs in der Ferne schwarz am Horizonte auf. Gott Äol[1] fieng an zu blasen, und Jupiter Pluvius[2] zu blitzen, gleichsam, als wenn beide sich verabredet hätten, nachdem sie die 4 Tage hindurch das Fest mit der schönsten Witterung begünstiget gehabt, jetzt dem Schwärmen ein Ende zu machen und Feierabend zu gebieten.

     Den Windgott wehete daher zuerst vom Felde herauf als Avantgarde[3] eine solche Staubwolke auf die eine Tafel los, daß die daran Sitzenden ganz in eine Staubwolke eingehüllt und die auf der Tafel stehenden delicaten Braten und Kuchen mit Sandstaub incrustirt[4] wurden. Jetzt rückte Schalk Jupiter mit seinem schweren Geschütz näher, schleuderte einige Blitze mit Donnergetöse und lies einige Regentropfen fallen. Aber nun entwickelte sich das Ganze in einen wahren Ameisenhaufen, - die Braten und Kuchen wurden zusammengerafft, - alles lief durch einander und eilte nach der Stadt zu, wie der Troß von einer geschlagenen Armee.

     Die beiden Schalksgötter hatten es aber doch im Ernst nicht so gemeint, denn sie zogen sich nach vollendetem Schalksstreich wieder zurück, der Himmel wurde wieder heiter, aber das Gros der Gesellschaft und mit ihm die Damen, war doch auseinander gesprengt.

     Ein großer Theil alter und junger Burschen waren jedoch trotzdem sitzen geblieben und hatten sich durch jenen Ueberfall nicht verjagen lassen, zechten und jubelten fort bis mitten in die Nacht hinein, zogen dann in einem Trupp nach der Stadt zurück und brachten als finale ihrem Prorector noch ein Vivat.

     Die Kaufleute und andere Bürger hatten auf dem

  1. deutsche Form des griechisch-römischen Windgottes
  2. Jupiter ist der römische Göttervater, mit Beinamen Pluvius wurde er zu Dürrezeiten angerufen
  3. Vorhut (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.49.)
  4. eingesandet (Bickert/Nail: Liebenswertes Lahn-Athen, S.49.)